Erst-, Revisions- und Neubibelübersetzung – Ein Überblick und Perspektiven –

Erst-, Revisions- und Neubibelübersetzung

– Ein Überblick und Perspektiven –

Eberhard Werner

werner [at] forschungsstiftung.net

Original: /sites/all/files/uploads/Webseite%20Erst-%20Revisions-%20und%20Neu%C3%BCbersetzungen.docx

 

Inhalt

Erst-, Revisions- und Neubibelübersetzung. 1

– Ein Überblick und Perspektiven –. 1

1. Fragestellung und Beschreibung. 2

2. Gemeinsamkeiten und Schnittmengen. 7

3. Erstbibelübersetzungen - Rahmenbedingungen. 12

4. Revisionsbibelübersetzungen – Rahmenbedingungen. 20

5. Neubibelübersetzungen – Rahmenbedingungen. 24

6. Ein Vergleich - Übersicht 28

7. Conclusio und Ausblick. 30

Anhang. 34

 

Abstrakt

Revisions- und Neubibelübersetzungen finden dort statt, wo sich die christliche Kirche auf langjährige Erfahrungen in der Bibelübersetzung stützen kann und somit die Schwer­punkte auf innerkirchlichen Prozessen liegen. Im Gegensatz dazu treffen Projekte von Erstbibelübersetzungen (auch missionarische oder Pionierbibelübersetzungen genannt), wie sie im Auftrag der Kirche im glo­balen Kontext stattfinden, auf ganz andere Heraus­for­derungen, insbesondere das Fehlen eines für die Bibelübersetzung relevanten Umfeldes, wie ein interessiertes Publikum, muttersprachliche exegetische Hilfsmittel oder organisatorische Produktions- und Verteilungsstrukturen. Diese Unterschiede in den Projekten zur Bibel­übersetzung wirken stimulierend auf beide Unter­nehm­ungen. Diskutiert werden sollen sowohl die Unterschiede als auch die gegenseitigen Schnittstellen im Hinblick auf jetzige und zu erwartende Entwicklungen in der Bibelübersetzung.

1. Fragestellung und Beschreibung

In der wissenschaftlichen Diskussion zur Bibelübersetzung sowie zur Über­set­zung wird auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von sogenan­n­ten Revisions-, Neuübersetzungen und Erstübersetzungen im globalen christlichen Dienst hingewiesen.[1] Eine Abhandlung dieses Themen­kom­plexes liegt meines Erachtens nicht vor.[2] Ich möchte mit diesem Beitrag, die Unterschiede, die Gemeinsamkeiten und mögliche Synergien ins Auge fassen.

Missiologie und Theologie sind in dieser Diskussion nicht nur verquickt, sondern auch in Spannung zueinander. Im Rahmen der Bibelwissenschaften spielt die Theologie durch ihre Ausrichtung auf exegetische Erkenntnisse mehr den Revisionsbibelübersetzungen zu. Gleichzeitig sucht die Missiologie, als Frucht der Theologie, mit ihrer diakonischen und Praxis-orientierten Orientierung den interdisziplinären Schulterschluss zur Linguistik, Anthropologie, Soziologie, Psychologie und anderer Disziplinen. Ihr Schwerpunkt liegt von daher auf Erstbibelübersetzungen. In der Wissenschaft zur Bibelübersetzung wird diese Orientierung miteinander kombiniert um Synergien zu erzeugen. Nichtsdestotrotz sind bei der Wahl des Publikums insbesondere des sprachlichen Niveaus, der Anwendung biblischer Schlüsselkonzepte (z. B. Trinitarismen, biblische Eigennamen, Begriffe wie Sünde, Heil, Gesetz etc.) oder auch der Übersetzungstheorien (z. B. funktional, wörtlich, dynamisch-äquivalent etc.) kritische Diskussionen, aber auch die gegenseitige Auswertung von Erfahrungswerten zu erwarten.

Erstbibelübersetzungen werden auch missionarische oder Pionier­bibel­über­setzungen[3] genannt. Sie finden in der christlichen Entwick­lungs­hilfe statt und entstehen in Kontexten, in denen es für eine Sprachgruppe oder eine soziologische Einheit noch keine Bibelübersetzung gibt. Blickt man auf die ca. 7.000 Sprachgruppen oder 16.400 Ethnien der Menschheit, fallen hierunter nach Angaben der Wycliffe Global Alliance immerhin noch ca. 1.700-1.800 mögliche Projekte.[4] Diese Angaben sind nicht abschließend, da sich Sprache und Kultur ständig entwickelt und sich immer wieder neuer Übersetzungsbedarf auftut, wie zuletzt die Wahrnehmung der mind. 170 Gebärdensprachen zeigte. So ist die sprachliche Varietät von Sprachen in Dialekte und Idiolekte noch lange nicht abschließend geklärt.

Erstbibel­über­set­zungen bilden die missiologische Grundlage[5] zur Entwicklung und Anwendung von Theorien und Modellen der Übersetzung im Rahmen der angewandten Über­setzungs­wis­sen­schaft. Sie führen sprachlich-kulturelle bis dahin unbekannte Konzepte aus dem Grundtext in die Zielkultur und -sprache ein, wo keine christliche Gemeinschaft vorhanden ist, oder sie formulieren mündlich tradierte christliche Konzepte in schriftlicher Form, wenn eine christliche Gemeinschaft besteht. Dadurch entstehen Prozesse, die es ermöglichen, verschiedene wissenschaftliche Disziplinen miteinander zu verknüpfen. Es entsteht ein Versuchsterrain, auf dem trans­latorische Intuition genauso bedeutsam ist wie die exegetische Analyse oder die hermeneutische Anwendung des Grundtexts. Die ausgangssprachlichen und zu übertragenden Konzepte sind in der Zielsprache und -kultur anhand einer exakten sprachlich-kulturellen Analyse voranzustellen. Beide Prozesse ergänzen sich. Meist sind diese Projekte von außen beeinflusst und arbeiten mit muttersprachlichen Übersetzern, die zur translatorischen Ausbildung ermutigt werden.

Revisionsbibelübersetzungen finden in Kontexten statt, in denen es schon mindestens eine Bibelübersetzung und damit eine theologisch interes­sierte Expertengruppe gibt. Diese Bibelübersetzung dient als Referenz für weitere Bibel­über­setzungen in dieser Sprachgruppe. Entweder steht dieses Referenzwerk zur Revision an, wie jüngst die Lutherbibel (2017) und die Ein­heits­übersetzung (2016; EIN), um sie an Sprach- und Kulturentwicklungen anzu­passen oder eine neue Bibelübersetzung (Neubibelübersetzung) wird geplant oder veröffentlicht, die sich vom Referenzwerk löst. Letzteres kann sprachlich und kulturell von der Zielgruppe her oder auch übersetzungs­theore­tisch geschehen, wie z. B. die Volxbibel (2005)[6], die Bibel in gerechter Sprache (2006)[7] oder jüngst die Neue Genfer Übersetzung (2009; inklusive Psalmen 2015)[8]. Diese letztgenannten Neubibelübersetzungen stellen eine Zwischen­kategorie dar, da sie eine eigene Traditionslinie (Rezeptionsge­schi­chte) begründen. Zudem stehen sie den Erstbibelübersetzungen aus der christlichen Entwicklungshilfe nahe, da sie im Kontext vorhandenen Refe­renz­ma­terials entstehen. Mit anderen Worten Neubibelübersetzungen unterliegen sowohl den oben genannten Kriterien zu den beschriebenen Erstübersetzungen als auch denen der Revisionsbibel­übersetzungen.

Revisionen können früh nach der Fertigstellung einer Übersetzung nötig werden, wie es die Revision des Neuen Testaments der Luther­über­setzung (LÜ) aus dem Jahre 1975 im Jahr 1984 beweist. In anderen Fällen kann es Jahrzehnte dauern bis sich eine Durchsicht oder Revision ergibt (LÜ 1984-2017; EIN 1980-2016). Im Übrigen hat die Lutherbibel eine sehr abwechslungs­reiche Rezeptions­geschichte ihrer nunmehr vier kirchenamt­lichen Revisionen aus den Jahren 1892, 1912, 1975/1984 und zuletzt 2017 erfahren (ausführlich Kähler 2016:7-8).[9] Luther und sein Übersetzungsteam haben die Übersetzung des Neuen Testaments aus dem Jahre 1522 und die Vollbibel des Jahres 1534 mit mehr als 30 Revisionen bis zu seinem Lebensende in 1546 überarbeitet.[10] Die sogenannte «Ausgabe letzter Hand» bildet die letzte unter Mitwirkung von Martin Luther gefertigte Revision aus dem Jahre 1545 (Bigl 2016:32). Doch hat sich die Ausgabe des Jahres 1546 als «Normbibel» durchgesetzt, in welche die letzten unmittelbaren Vorschläge Luthers und seines Übersetzungsteams eingeflossen sind (Michel 2016:255-256).[11]

Abbildung 1 Bibelübersetzungen - Verhältnisbestimmungen

Folgende Abkürzungen finden hier Verwendung: Erstbibel­über­set­zungen (EBÜ), Revisionsbibelübersetzung (RBÜ), Neubibelüber­setzung (NBÜ).

2. Gemeinsamkeiten und Schnittmengen

Revisions- und Neuübersetzungen entstammen meist theologischen, selten sprach-, religions- oder übersetzungswissenschaftlichen Initiativen (z. B. Altphilologe Herrmann Menge 1926 siehe unten). Kirchen­bünde, einzelne oder mehrere Wissenschaftler oder Theologen oder auch theologisch interes­sierte Gruppen (z. B. Zeugen Jehovas) erkennen den Bedarf einer Über­ar­beitung einer bestehenden oder die Erstellung einer neuen Bibelüber­setzung. Letztere basiert auf einem unterschiedlichen Skopos (Zielsetzung) zu Bestehenden.

Beide Typen arbeiten mit einem Publikum, welchem das Genre Bibelüber­setzung vertraut ist und das die biblischen Inhalte kennt, wohl aber offen ist für neue sprachliche Formen. Erstbibelübersetzungen werden von muttersprachlichen theologischen Laien oder fremdsprachlichen, an der Ausbreitung des Evangeliums interessierten Missiologen, Theologen, Kultur- oder Sozialforschern initiiert. Dem Publikum ist das Genre Bibelübersetzung fremd oder es steht ihm sogar ablehnend gegenüber. Dies gilt vor allem hinsichtlich biblisch-christlicher Konzepte.[12]

Bibelübersetzung generell unterliegt den Prämissen der Übersetzungs- sowie der Kommunikationswissen­schaften. Den Gesetzen der Kommunikation folgend, ist jeder Text in jede Sprache übersetzbar. Ebenso ist zu beachten, dass die Sprachen des biblischen Grundtexts normale Sprachen des Altertums waren, wie es seit Deissmann auch nur noch bedingt bestritten wird.[13] Aus linguistischer und translatorischer Sicht handelt es sich daher nicht um einen göttlichen Text, der nur einem theologischen oder kirchlichen Publikum zugänglich wäre, oder der nur auf eine bestimmte Art und Weise (z. B. wortwörtlich etc.) bzw. gar nicht übersetzbar wäre (s. Inlibrationsansatz im Islam). Vielmehr bestimmt von Anfang an ein anthropozentrischer Ansatz die Geschichte der Bibelüberset­zung und damit den Umgang der Kirche mit der Bibel. Dies verdeutlicht sich

  • an der Übersetzung des hebräischen Textes ins Griechische, der Septuaginta (LXX), noch vor der Zeitenwende,
  • der Tatsache, dass das Neue Testament auf Koiné-Griechisch abgefasst wurde, trotz seiner Entstehung in einem Aramäisch-Hebräischen Umfeld[14] und
  • die frühen Übersetzungen ins Syrische (Peschitta 1./5. Jh.), Lateinische (4. Jh.; Hieronymus), Gothische (4. Jh.; Wulfila) und Slawische (9. Jh.; Methodius und Kyrill).

Demgegenüber steht die theologische Deutung und die Verehrung der Heiligen Schrift, wie auch ihrer Übersetzungen durch die Gläubigen als sakralen Werken und kirchlichen Liturgietexten (ausführlich Kocher 2016:258).[15] Hierbei ist das Ziel, einen «verbindlichen» zentralen deutschen Lehrtext für Predigt, Katechumenat und den persönlichen Gebrauch zu generieren. Die zugrundeliegende Annahme ist die Idee der Einheit der lokalen und globalen Christenheit.[16] Begründet wird diese zentrale Stellung der Bibel und ihrer Übersetzungen mit inner­biblischen Hinweisen auf einen göttlichen Ursprung der Bibel. Unter diese fallen z. B. die göttliche wörtliche Rede «Ich werde …» aus z. B. Gen 3:15 oder Josua 7:13, das Veränderungs­verbot in Offbg 22:18-19, die Gotteinhauchung nach 2Tim 3:16 oder die prophe­tischen Worte «so spricht der Herr» z. B. in 1Sam 2:27. Als theologisches Argument wird die Inspiration, das ist die göttliche (Ein-)Hauchung der Schrift genannt.[17] Mit dieser Argumentation entzieht sich der Inhalt wie auch die Form gewissermaßen der menschlichen Interpretation. «Fehler­haftigkeit» wird als Makel empfunden und «Fehlerlosigkeit» bzw. «Irrtumslosigkeit» proklamiert. Diese Begründung wird zementiert durch das Argument, dass sich durch die Festlegung auf «göttliches Wort» eine strengere Achtsamkeit und Kontrolle beim Übersetzen ergäbe und sich so auf die Übersetzung (in)direkt übertrage.

Der Annahme eines «unveränderlichen, inspirierten» Textes ist nur bedingt zuzustimmen, da sich der göttliche Wert und Inhalt, d. h. die tiefere Heilsaussage bzw. der Heilsplan dem Publikum nicht unvermittelt offenbart. Es bleibt die Diskrepanz, dass sich die Vermittlung auf der Wort-, Satz- und Textebene, also auf rein menschlichen Kommunikationswegen bewegt (Nida & Taber 1969:180 Nr. 5; s. FN 30). Dies führt zu einem hermeneutischen Zirkelschluss, der die Obhut der Schrift der globalen «Kirche» anvertraut, dieses «göttliche Wort» aber wiederum als das Fundament derselben betrachtet wird. Hinzu kommt aus translatorischer Perspektive, dass der Skopos einer Bibelübersetzung vom Auftraggeber oder den Auftraggebern bestimmt wird, welche in der Regel aus einer religiösen Motivation heraus von vornherein von einem «sakralen» Werk ausgehen. Hierbei, so die Annahme, spiegelten wörtliche Übersetzungen vermeintlich sozusagen eine größere «Texttreue» wider als kommunikative. In diesem Sinne ist auch zu erwähnen, dass «Bibelübersetzer» grundsätzlich keine Theologen sein müssen, sondern in erster Linie die Fähigkeit besitzen müssen, Inhalte von einem fremden sprachlich-kulturellen Kontext in den eigenen oder einen anderen zu übertragen. Die Menge Bibel repräsentiert ein Beispiel, in dem nicht ein Theologe, sondern ein Altphilologe die komplette Bibel übersetzte (Haacker 2015:11; s. FN 3).[18]

In der Bibelübersetzung spielen die Attribute Texttreue, Genauigkeit und Ver­ständ­lichkeit eine wichtige Rolle. Zwischen diesen wägen die Übersetzer ihre Übersetzunsvorschläge ab. Sie müssen entscheiden, inwiefern sie den Grund­text an den Leser herantragen oder inwieweit sie die Hörer hin zum Grund­text bringen. Der Übersetzungswissenschaftler Venuti führt dafür die Begriffe Einheimischwerdung (domestication) und Verfremdung (foreigni­sa­tion) als Spannungsbogen ein (2008:50).[19] Hierbei geht die Bandbreite von Interlinearübersetzungen (wortwörtlich)[20], über wörtliche (z. B. Elberfelder Bibel 1980[21]), kommunikative, freie Übersetzungen (Volxbibel, Bibel in gerechter Sprache) bis zu Paraphrasen (Comic-Bibeln, Jörg Zink Bibel). Die Grenzen sind fließend und zu einem gewissen Teil künstlich, da sie vom subjektiven Verständnis des Publikums abhängen.[22] So wird der Lutherbibel ein Wechsel zwischen wörtlichen und kommunikativen Einheiten zugesprochen (Schwarz 1986:29; Kretzmann zitiert in Nida 1964:29)[23]. Solch ein Wechsel kommt aber letzlich mehr oder weniger in allen Übersetzungen vor, wie jeder Bibelübersetzer aus Erfahrung weiss. Auch beim wörtlichen Übersetzen ist zweierlei zu entscheiden. Zum einen inwieweit man unbekannte Sachverhalte in die sprachlich-kulturelle Welt des Publikums überträgt. Als Beispiel sei der Begriff «Heiland» genannt, der als Äquivalent für מוֹשִׁ֣יעַ moschia (z. B. Ps. 17:7) bzw. σωτήρ sōtër (z. B. Lk 2:11) benutzt wird. Der Terminus «Heiland» ist seit dem 8. Jahrhundert bezeugt und wird durch Luther christologisch gedeutet. Er steht für «Retter» (in LÜ 1984 35x). Desweiteren, ob man diese als neue Sachverhalte in einen sprachlich-kultuellen Kontext einführt. Dies wird am Beispiel מֹועֵ֑ד אֹ֣הֶל moed ohel «Stiftshütte» deutlich. Diese Einrichtung war bis dahin im Deutschen nicht bekannt (in LÜ 1984 174x). Ein weiteres Beispiel ist die Übersetzung von hebr. ) חֵןḥen) im griech. χάρις xaris «Gunst, Gnade, Güte» (302x), welche oft nicht philologisch konkordant wiedergegeben werden kann.

In diesem Kontext ist auch die Abweichung von grammatisch-syntaktischen Eigenheiten der Ausgangssprache und die Unmöglichkeit einer völligen philologisch-konkordanten Übertragung zwischen zwei Sprachen zu erwähnen. Man denke nur an Redewendungen oder grammatische Konstruk­tionen, wenn sie im Kontext verstanden nur idiomatisch zu übersetzen sind.

Ein weiteres Kriterium jeder Übersetzungstätigkeit ist deren intuitive Ausrichtung, was auch eine Begrenzung darstellt. Übersetzung ist immer intuitive Annäherung. Der Intuitionsfaktor ist bedeutsam. Dabei entstehen Abweichungen, Veränderungen, aber auch Neuformulierungen. Sowohl wörtliches wie auch freies bzw. kommunikatives Übersetzen bieten nur eine Annäherung. Hierin sind sich alle Modelle und Theorien der Übersetzung einig. Dabei stehen die Attribute «Texttreue» und «Wortnähe» für die Frage, ob man dem Publikum die grammatisch-philologischen Eigenheiten der Ausgangssprachen nahe bringen möchte. Wenn demgegenüber die Zielsprache mit all ihren Eigenhei­ten betont werden soll, folgt die Übersetzung mehr dem Attribut «Verständlichkeit» (Vorwort in der Neue Genfer Übersetzung 2015:VII).[24]

3. Erstbibelübersetzungen - Rahmenbedingungen

Wir wollen mit Erstbibelübersetzungen aus dem globalen christlichen Dienst beginnen, da sie Rahmenbedingungen fordern, die sich von den Revisions­- und Neubibel­übersetzungen unterscheiden.

Die Globalisierung und die Ausbreitung ideologischer, religiöser oder ökonomischer Systeme, wie des Sozialismus, des Kapitalismus, des Marxismus, des Radikalismus, des Nationalismus und der Weltreligionen, um nur einige zu nennen, führt zu Migrationsbewegungen, die neue Identitäten von Menschen und Menschengruppen ausweisen (z. B. Wanderarbeiter, Söldnerheere, Mehrstaatenbürger etc.). Das Identitätsmerkmal «Sprache» oder «Muttersprache» ist dabei nicht immer identitätsstiftend und wird mancherorts, vor allem in der Diaspora, nebensächlich. Ein Beispiel bilden die «Arbeitermigrationen», zu denen auch erzwungene Arbeitsleistung durch gezielte Verschuldung (forced labour slaves; Arbeitssklaven) gehört. Aus armen, meist asiatischen Staaten werden diese von den Großbaustellen von Weltorganisationen angezogen (FIFA – Weltmeisterschaften; Internationales Olympisches Komitee – Olympia; Städtebau; Panamakanal; Weltausstellung etc.). Weltverkehrs­sprachen (sog. lingua franca) ersetzen die Muttersprache, wobei bewusst oder unbewusst unausgebildete bilinguale Menschen als Vermittler (Übersetzer) eingesetzt werden. Viele Sprachen von kleinen Sprachgruppen werden nie geschrieben und damit auch nicht langfristig konser­viert.[25] In solchen Kontexten bedienen sich Bibelübersetzer zunehmend münd­licher Übersetzungen (oral translations), da diese Sprachgruppen einer Verschriftung meinungslos bzw. kritisch gegenüber stehen. Solche mündlichen Bibelübersetzungen stehen audio-visuell als Hörtext oder Video im Rahmen digitaler Medien zur Verfügung (z. B. im Internet, als App, als Datei oder Videodarstellung). In vielen Fällen wird die mündliche Nacherzählung nicht mehr verschriftlicht (oral products), sondern erst bei Bedarf (Schriftentwicklung) entstehen biblische Schriftprodukte. Diese werden auf der Grundlage der Nacherzählung und des biblischen Grund­texts sowie soziolinguistisch bedeutsamer Bibelübersetzungen, z. B. sprachlich verwandte National- oder Verkehrssprache, erstellt und publiziert.

Ein weiterer Aspekt von Erstbibelübersetzungen besteht in dem Einbezug muttersprachlicher Übersetzer, die zur translatorischen Ausbildung ermutigt werden. Als Auswahlkriterium überwiegt die Fähigkeit zum Übersetzen gegenüber den theologisch-exegetischen Kenntnissen. Die United Bible Societies (UBS) propagierten dies seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Gleichzeitig konzentrierten sie sich aber lediglich auf solche Übersetzungsprojekte, in denen ethnische Kirchen oder christliche Gruppen bestanden. Andere Bibel­über­setzungsorganisationen sind seit spätestens den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts auch dazu übergegangen, nicht mehr «für» sondern «mit» dem Publikum zu übersetzen. Noch einen Schritt weiter werden Bibelübersetzungsprojekte nur noch vor Ort und ausschließlich durch Muttersprachler unterstützt (Meurer 2001:16). Es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine Übersetzung nur dann von einem Publikum als «Eigene» angenommen wird, wenn sie auch den Prozess der Ein­heimischwerdung durchlaufen hat (:15-16). Die moderne Digitalisierung läuft diesem Prozess wiederum zum Teil entgegen, da Herstellungs- und Verteilungs­­kanäle nun so vielfältig sind, dass es schwierig wird, Gemein­schafts­­projekte für größere (Sprach-)Gruppen zu realisieren. Die Individua­li­sierung im Rahmen der sozialen Netzwerke oder «Ego-Media» (social net­works) ist nahezu grenzenlos. Umso mehr da, wo die Dominanz einer Natio­nal- oder Verkehrs­sprache durch politisch-sozialen Druck Sprach­gruppen benach­teiligt. Insgesamt beschäftigen sich Bibelübersetzungsorganisationen heutzutage mit ethnischen Minderheiten, egal ob christliche Übersetzer oder eine einhei­mi­sche Kirche vorhanden sind. Dementsprechende politische Span­nung­en mit Staats­führungen, die dem Christentum kritisch gegenüber stehen, werden zwar auf lokaler Ebene oder in der Diaspora überbrückt, spielen jedoch in der Projekt­planung und –durchführung eine erhebliche Rolle.[26]

Sogenannter mehr- und muttersprachlicher Unterricht (Mother Tongue-Based Multilingual Education MT-MLE), wie er von der UNESCO seit dem Jahr 2000 propagiert und jährlich am 21. Februar, dem Internationalen Tag der Muttersprache gefeiert wird, hilft dabei, die Hürden in solchen Kontexten aufzubrechen. MLE bietet allen Beteiligten eine Win-Win Chance, da die Ausbildungs- und Arbeitschancen gebildeter, bilingualer Bevölkerungs­grup­pen enorm steigen und so den Staat ökonomisch, politisch und gesellschaf­t­lich, unter anderem durch einen gegenseitigen Vertrauensgewinn entlasten.

In Erstbibelübersetzungsprojekte spielt die Ausbildung der mutter­sprach­lichen Übersetzer eine herausragende Rolle. Sie sollten nicht nur die Sprachen des Grundtextes beherrschen, sondern auch ihre eigene Sprache analysieren können. Dabei geht es um phonetische, phonologische, morpho-syntaktische, aber auch textgrammatische Eigenheiten. Bibelübersetzungen in nahe verwand­ten Sprachen, zudem wenn diese schon eine lange Tradition haben, sind ebenso heranzuziehen, wie auch solche, die das sprachlich-kulturelle Umfeld bestimmen (z. B. Nationalsprachen). Der biblische Grundtext ist das Referenzwerk, er sollte von einheimischen Übersetzern soweit erfasst werden können, dass die Übersetzungsberater (translation consultants) bei der Beratung exegetisch darauf zurückgreifen können, um gemeinsam das Übersetzte zu prüfen. Schon seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts wird bemängelt, dass Lexika und Kommentare zur Bibel hierbei nicht hilfreich sind, da ihre Wortvorschläge und wörtlichen Übersetzungen selten auf Über­set­zungsprobleme hin besprochen werden.[27] Einige Hilfsmittel, welche die für Über­setzer relevanten textkritischen Inhalte repräsentieren sind die UBS Hand­book for Translators (Kommentarähnliche Hinweise für Bibelüber­setzer), die UBS5th Greek New Testament Ausgabe (2012) und der A Textual Comentary on the Greek New Testament von Metzger (1975).[28]

Es besteht eine geringe Planungssicherheit bei Projekten zu Erstbibelübersetzungen, da die Akteure schnell wechseln können. Dies zieht sich von der Projektleitung, über die Übersetzer bis zu den Personen, welche die Verbreitung des Produkts betreiben.

Ein Bibelübersetzungsprojekt als Erstübersetzung beinhaltet in der Regel folgende Phasen:

  • Analyse der kulturellen Umgebungsvarianten (Anthropologie) und sprachlichen Eigenheiten der Sprachgruppe (Linguistik), in die eine Bibelübersetzung angestrebt wird. Nach phonetisch-phonologischer und textgrammatischer Analyse erfolgt ein Vorschlag über ein Alphabet als Grundlage für eine Verschriftung (Soziolinguistik).
  • Ein Übersetzungsteam fängt mit einem Evangelium, z. B. dem Lukas­evange­lium[29] an. Parallel findet die Ausbildung der mutter­sprach­lichen Übersetzer an der eigenen Sprache (Linguistik) und Kultur (Anthropologie), den Sprachen des biblischen Grundtexts (Exegese und Hermeneutik) und der Theorie und Praxis des Übersetzens (Übersetzungswissenschaft) statt.
  • Das Projekt weitet sich auf mündliche Übersetzung, Online-Produkte (z. B. kulturelle Website) und Studien (z. B. Grammatik; Ethnologie, exegetische Hilfsmittel) rund um die Sprachgruppe aus. Ziel ist es, die Verschriftung der Sprache voran zu treiben.
  • Bibeltexte werden von Übersetzungsberatern geprüft, mit einem Probepublikum getestet und schließlich im Gottesdienst oder in der Evangelisation auf Verständlichkeit getestet. Nach anschließender und finaler Bearbeitung mit allen Beteiligten kann ein Produkt in Druck oder Online (App, PDF, interaktive Website) gehen.

Bibelübersetzungsprojekte als Erstübersetzung bieten die Chance, neue Über­setzungs- und Kommunikationstheorien auszuprobieren und zu generieren, da keine festgelegten Traditionsstrukturen (siehe unten) entgegen wirken. Hieraus haben sich schon viele Erfahrungswerte und Neuerungen ergeben. Die dynamische Äquivalenz (Nida 1964; Taber & Nida 1969; de Waard & Nida 1986), die Rahmenmodelle (z. B. Katan 1999) und auch der relevanz­theo­re­tische Übersetzungsansatz (Gutt 1992 und 2000) haben sich so entwickelt.[30]

Erstbibelübersetzungen dienen auch als Versuchsfeld für neue Theorien aus der Über­setzungswissenschaft, wie z. B. der Skopos-Theorie (Vermeer 1989) oder den funktionalen Ansätzen (Nord 2001).[31] So wird ein Wechsel­spiel von angewand­ter Übersetzungswissenschaft (applied translation science), Missiologie und Theologie bewirkt, welches rückwirkend in die zunehmende Einbindung trans­lato­rischer Erkenntnissen in diesen Disziplinen führt. Während sich die Missiologie bei Erstbibelübersetzungen kreativ und dynamisch erweist bleibt dieser Einfluss für Revisionsbibelübersetzungen bescheiden, was dazu führt, dass die theologische Ausbildung stagniert und am Althergebrachten, der philologisch-konkordanten Übersetzungsmethode, festhält. Neubibelübersetzungen sind für die Früchte der Missiologie offener (s. Volxbibel und Bibel in gerechter Sprache).

Die Festlegung eines Übersetzungsstils bewegt sich zwischen wörtlichen und kommunikativen Theorien. Dabei ist interessant, dass mut­ter­sprach­liche Übersetzer bei Erstbibelübersetzungen aus Ehrfurcht vor dem Text in der Regel philologisch-konkordant übersetzen. Das heißt sie folgen dem wörtlichen Übersetzen und halten jedem Begriff aus dem Grund­text eine Entsprechung in ihrer Zielsprache entgegen. Erst eine Schulung kommu­ni­ka­ti­ver und translatorischer Möglichkeiten lässt einen kommu­nikativen Ansatz zu. Interessanterweise ist dies beim konsekutiven Dolmetschen nicht der Fall. Die Gründe liegen wohl auf religiöser Ebene.

Erstbibelübersetzungen entstehen in einem Raum, in dem noch keine verschriftlichte Prägung oder Tradition biblischer Begrifflichkeiten besteht. Deshalb werden diese aus dem kulturellen und linguistischen Umfeld abstrahiert. Mit anderen Worten, ein Effekt der Erstbibelübersetzung ist es «Schlüsselbegriffe» (key terms) oder besser «biblische Schlüsselkonzepte» (Biblical key concepts; Harmelink 2012:32) erstmalig zu generieren.[32] Dabei soll auf nahe verwandte Sprachen zurückgegriffen oder Rücksicht genommen werden, da dort eventuelle Bibelübersetzungen bereits diese Leistung voll­bracht haben oder in Anlehnung an die neu entstehenden noch leisten werden. «Bib­lische Schlüsselkonzepte» sind spezifische Metaphern, die das religiöse Um­feld der biblischen Welt abdecken. Sie sind zentral für lokale Theologien. Hierzu gehören beispielsweise Begriffe wie «Sünde» (s. FN 49), «Heil», «Ver­söhnung», «Gesetz» sowie deren semantische Wortfelder. Auch zählen hierzu die Gottes­bezeich­nungen und Eigennamen. Die Tradition einer Revi­sions­bibel­über­setzung fußt auf dem philologischen Festhalten an solchen Begrifflichkeiten. Die damit verbundene Lehre über «Metaphern» beschreibt die Sonderstellung zentraler theologischer Konzepte in einer Sprache. Unter­­teilt werden Metaphern zum einen in deren Verwendung im Alltag (Lakoff und Johnson 2003), als Universalmetaphern in der Semantik (Goddard 1994) und in die hermeneutische Auswirkung von Metaphern (Ricoeur 1974).[33] Alle diese Ansätze weisen zwar darauf hin, dass diesen beim Über­set­zen besondere Aufmerksamkeit zukommt, gleichzeitig verfestigen sie sich aufgrund eines «Traditionsbewusstseins» zu oft unauflösbaren Heils­wahr­hei­ten. Neben Begrifflichkeiten können sich hier auch grammatische Konstrukte verfestigen, z. B. «in Christus» anstelle von «mit Christus verbunden», «in der Nähe von Jesus» oder «in Übereinstimmung mit Christus» (z. B. Röm 8:1).

Das Übersetzungsteam bei Erstbibelübersetzungen beinhaltet theo­lo­gische, anthropologische und linguistische Berater, Projektleiter und mutter­sprachliche Übersetzer. Im Falle einer ein­hei­mi­schen Kirche verschiebt sich das Gewicht zugunsten mutter­sprachlicher theo­logischer, anthropo­lo­gischer und linguistischer Berater. Meist erfolgt die Finanzierung und Projekt­leitung von außen.

Die besonders rasante digitale Entwicklung bei Erstbibelübersetzungen hat noch wenig in Neu- oder Revisionsbibelübersetzungen Fuß gefasst. Im digitalen Zeitalter unterstützen Computerprogramme wie ParaText (UBS), FleX (SIL), ScriptureAppBuilder (SIL) und viele andere die Kommunikation zum Übersetzen im Team auch über Zeitunterschiede und Distanzen hinweg. Sie erleichtern die Erarbeitung des biblischen Grundtextes und die Übersetzung anhand der gleichzeitigen Darstellung vieler Paralleltexte und exegetischer Hilfsmittel und der zeitgleichen automatischen Abgleichung von Textveränderungen.[34] Die Publikation von Probetexten auf den sozialen Medien und in mutter­sprachlichen Foren bietet die Möglichkeit interaktiver Diskussion und des Testens und Prüfens auf Verständlichkeit. Auch die Verbreitung mutter­sprach­licher Bibelübersetzungen als Produkt ist über Apps, auf Websites von mutter­sprachlichen Organisationen und den sozialen Medien erfolg­versprechender und prestigeträchtiger als in den meist kritisch beäugten christlichen Buchläden in vielen Staaten, die den christlichen Glauben als westliches politisches Produkt bzw. Propaganda werten.

4. Revisionsbibelübersetzungen – Rahmenbedingungen

Revisions- und Neubibelübersetzungen finden durch exegetische Experten statt, die in ihrem eigenen muttersprachlichen Kontext übersetzen. Langjährige christliche Traditionen haben exegetische Hilfsmittel und Expertise auf dem Gebiet des biblischen Grundtextes und seiner Auslegung generiert. Die theologisch geschulten Übersetzer sind versiert und entscheiden in der Regel, im Rahmen mehrerer Durchläufe, nach dem Mehrheitsprinzip, welche Vorschläge sie nehmen wollen. In diesen Projekten wird die exegetisch-theologische Fertigkeit wesentlich höher als die Fähigkeit zum Übersetzen bewertet. Revisionsbibelübersetzungen haben eine hohe Planungssicherheit, da die Akteure und das Projekt in feste Strukturen eingebunden sind.

Im Falle von Revisionen wird auf eine gewisse Tradition geachtet, die durchgängig erkennbar sein soll. So wird oft von «Durchsicht», «Über­ar­beitung» oder «Neuauflage» gesprochen, um die Fortführung einer Tradition anzudeuten.[35] Revisionen führen eine bestimmte sprachliche und stilistische Über­setzungs-Tradition fort. Die Rezeptions­geschichte der deutschen Bibel­über­setzungen zeigt dies besonders deutlich an der Lutherübersetzung und der Elberfelder Bibel. Im lateinischen Bereich sticht die Jahrhunderte währende Vulgata-Tradition heraus. Unter der Vorgabe der Traditionsbewahrung werden nur vorsichtig textkritische Erkenntnisse eingearbeitet u. moderate Anpassungen von Sprach- und Stilmitteln vorgenommen.[36]

Eine Revisionsbibelübersetzung ruht sowohl auf einer exegetischen Analyse des Grundtexts als auch auf einer Auslegungs­geschichte, die zu theologischen Referenz­werken wie exegetischen Hilfsmitteln, Kommentaren und Übersetzungshilfen führte.

Revisionen unterliegen aufgrund ihrer Rezeptionsgeschichte einem hermeneutischen Zirkel. Sie beeinflussen die Theologie, die Hermeneutik und die daraus entstehenden Hilfsmittel, basieren jedoch gleichzeitig auf ihnen. Daraus ergibt sich ein sprachliches Kontinuum, welches nur schwerlich die selbst­auferlegten Hürden überwinden kann. Dies zeigt sich auch im Bereich der semantisch-philologischen Wortwahl und Kommentierung. Auf dieses Problem ist man seit geraumer Zeit aufmerksam geworden. Beginnend mit James Barrs Bibelexegese und moderne Semantik (1965) setzt sich die Linie über Moisés Silva und sein Biblical words and their Meaning: An Introduction to Lexical Semantics ([1983] 1994) fort. Deren kritische Beobachtungen greifen Peter Cotterell & Max Turner Linguistics & Biblical Interpretation (1989) und neuerdings John Lee in seinem A History of New Testament Lexicography (2003) auf.[37] Sie weisen darauf hin, dass die Wechselwirkung von Bibelübersetzungen, Lexika und Kommentaren einem Zirkelschluss unterliegen. Einmal festgelegte Begrifflichkeiten werden zu sakralen Inhalten stilisiert und treten immer wieder in Erscheinung, dies gilt auch für grammatische und idiomatische Inhalte.[38] Bei jeder Revision ist die immer wieder gestellte Frage, inwieweit man sich vom Ausgangstext lösen kann oder möchte. In der gegenwärtigen Tendenz zum Festhalten an altbewährten Strukturen (Ausgangstext) wird dem vorgenannten erwähnten Zirkel­schluss nur wenig entgegen gehalten. Meist fließen lediglich textkritische Veränderungen ein, die aber nur den Inhalt und nicht die Form betreffen. Jesus wird vom Teufel nicht mehr «in die Wüste» geführt sondern «in der Wüste», also dort herumgeführt. Die Prophetin Hanna «war eine Witwe von vierundachtzig Jahren» während sie in Luther 1545 ««Vnd war nu eine Widwe / bey vier vnd achzig jaren», also 84 Jahre eine Witwe war und so auf 105 Lebensjahre bei der Begegnung mit den Eltern Jesu kommt (Böhm 2016:282-285).[39]

Revisionen erfordern sprachliche Expertise von muttersprachlichen Experten, die aber selbst wiederum dem hermeneutischen Zirkel und dem Skopos (Übersetzungsauftrag) des Projekts unterliegen, da die langjährige Tradition sprachlich-kulturelle Neuerungen verhindert.[40] Diese beraten die mutter­­sprachlichen Exegeten in der Wortwahl und syntaktischen Inhalten. Solche Experten sind Poeten, Schriftsteller oder Germanisten (Linguisten). Das Über­setzungsteam setzt sich folgerichtig aus theologischen und linguistischen Experten zusammen.

Die Hürden für Revisionsübersetzungen sind hoch, da viele Beteiligte eingebunden werden müssen. Zudem spielen auch finanzielle und prestigeorientierte Gründe eine Rolle, sodass Verlage und Revisoren ein Interesse daran haben, ein Produkt als Langzeitprojekt im Angebot zu haben und sich dadurch einen Namen zu machen. Die genannten Hürden liegen deshalb so hoch, da die Revisionskommission an Beschlüsse zur Erarbeitung, Beratung, Prüfung und Veröffentlichung gebunden sind. Schon diese Vorarbeiten sind aufwändig, aber die Revisionsprozesse noch mehr.[41]

Die Digitalisierung der Bibelübersetzungen und deren Hilfsmittel unterstützt auch die Arbeit der Revisoren, da gleichzeitig am selben Text gearbeitet und dieser gleich mit Kommentaren und Formatierungen bestückt werden kann. Die Probeläufe können inzwischen in den sozialen Medien geschehen und schnell auf Probleme hinweisen. Online-Bibeln wie die Volxbibel und die BasisBibel profitieren von dem ständigen Revisionsprozess einer digitalen Community, die sich zeitnah mit dem Bibeltext auseinandersetzt.

5. Neubibelübersetzungen – Rahmenbedingungen

Neubibelübersetzungen entstehen in Kontexten, in denen es bereits mutter­sprach­­liche Bibelübersetzungen gibt. In diesen Projekten wird die exegetisch-theo­logische Fertigkeit als wichtiger als die Fähigkeit zum Übersetzen bewertet, da zur Exegese des Grundtexts noch die theologisch-exegetische Aus­ein­­an­dersetzung mit den gleichsprachigen Referenzbibeln kommt. Neubibel­übersetzungen setzen sich von den bestehenden Bibelüber­setzungen aufgrund einer inhaltlichen oder formalen Neuorientierung ab:

  1. Fokus auf ein spezifisches Zielpublikum (gesellschaftliche Segmente; religiöse Differenzierung; z. B. Volxbibel 16jährige Jugendliche, Einheitsübersetzung – römisch–katholische Leserschaft),
  2. Anwendung eines bis dahin noch nicht angewandten theoretischen Modells der Übersetzung (z. B. Insel-Übersetzung von Berger & Nord 1999 funktionaler Ansatz; Türkische Kutsal Kitab 2001 dynamische Äquivalenz, s. o.),
  3. Anwendung einer bereits bekannten Übersetzungstheorie (z. B. Gute Nachricht Bibel 1980 dynamische Äquivalenz)[42],
  4. Anwendung eines anderen oder neuen Übersetzungsstils (z. B. das buch[43]) oder Medien­formats (z. B. Online-Bibeln wie die Volxbibel oder die Basis Bibel[44]).

Trotz einer Neuausrichtung besteht eine sprachliche, exegetische und formale Orien­tierung an der bestehenden theologischen Tradition. Dies ist durch eine bereits bestehende Bibelübersetzung oder Bibelübersetzungen für diesen Sprach­raum eingeleitet worden. So waren Martin Luther und die mit ihm überset­zenden Theologen von den maßgeblichen deutschen Übersetzungen[45] ihrer Zeit sprachlich genauso beeinflusst wie von den damals bekannten exegetischen Hilfsmitteln (Haacker 2015:12; s. FN 3). Der vierfache Schriftsinn bestimmte diese spätmittelalterliche Epoche, aus dem sich ein theoretischer, ein praktischer oder ein spekulativer Biblizismus ergab. Die Bibel galt in all ihren Buchstaben für alle Zeit als verbindlich (Hövelmann 1989:22-23). Hinzu kam Luthers christologischer Ansatz, der sich auch sprachlich niederschlug. Dies wird an vielerlei Ebenen deutlich, vor allem an sprachlichen Eigenarten.[46] Aber auch sonstige grammatische Konstruktionen begründeten die «Luther-Tradition», wie das bekannte «(und) es begab sich (aber)» (z. B. 1 Mose 4:3; 94x in LUT84), der νεανίσκος neaniskos «Jüngling» (1 Mose 4:23, Mk 16:5, etc.; 14x in LUT84; Thayer 3585) oder das ζωὴ αἰώνιος zōë aiōnios «ewige Leben» (z. B. Mt 19:29, Röm 6:23; 31x; Thayer 2365 und 172). Insofern, als sich spätere Lexika und Kommentare von dieser Tradition in Wortwahl und Auslegung inspirieren und leiten ließen hat sich ein hermeneutischer Zirkel geschlossen, der vor allem in den tradi­tio­nel­len Kirchen Einfluss nahm.[47] Die bereits erwähnten biblischen Schlüssel­konzepte (Biblical key concepts) wurden bis heute sprachlich nicht aufgelöst, obwohl sie un- oder missverständlich geworden sind. Hier hat die Tradition einen höheren Stellenwert als die Verständlichkeit. Einige Neubibelüber­setzungen wollen diese sprachlich-kulturellen Hürden aufbrechen (z. B. Volxbibel, Bibel in gerechter Sprache, Neue Genfer Übersetzung).

Im Laufe der Christianisierung verinnerlicht eine Kultur biblische Inhalte. Dies geschieht sowohl über die Sprache als auch über religiöse und alltägliche Gebräuche. Das öffentliche kirchliche Leben spielt hierbei genauso eine Rolle wie der individuelle Glauben des Einzelnen.[48] Im Laufe der Zeit ver­selbständigen sich die Inhalte und verlieren ganz oder teilweise ihre biblisch-geistliche Substanz. Dann ist eine sprachlich-konzeptionelle Erneue­rung nötig, die sich auch in der Bibelübersetzung niederschlagen sollte.[49]

Neubibelübersetzungen haben sich bewusst oder unbewusst von solchen Traditionen abgewandt. Neue sprachtheoretische oder translatorische Erkenntnisse, religiöse Abgrenzungen oder auch stilistische Eigenheiten bewegen Bibelübersetzer zur Abfassung einer eigenen Bibelübersetzung. Es sind auch die folgenden selten erwähnten selbstkritischen Punkte zu bedenken: a) der Drang nach Selbstdarstellung, b) die Bereicherung der Lesevariationen für religiöse Gruppierungen und c) finanzielle Aspekte. Religiöse Werke, Einzel­personen oder Gruppierungen können unter einem hohen Erwartungs­druck stehen. In manchen Fällen wird dabei die Selbstdarstellung (a) so angeregt, dass eine Neubibelübersetzung als Weg beschritten wird. Dies kann im Falle von Organisationen und Institutionen, die sich mit Bibelüberset­zungen oder der Verbreitung biblischer Produkte beschäftigen (Verlage, Gesellschaften, christliche Werke), dazu führen dass sie selbst Projekte beginnen, andere dazu motivieren oder beauftragen.

Im digitalen Zeitalter sind es vor allem zielgruppenorientierte Bibelüber­setzungen, die einen bestimmten kleineren Personenkreis anvisieren (moderne Sprache, Jugendsprache, Berufsgruppen, lokale Gruppen). Die Idee, dem bestehenden Markt eine sprachlich-stilistische eigene Bibelübersetzung beizu­steuern (b) ist nicht grundsätzlich neu, nimmt aber in jüngster Zeit aufgrund der Vereinfachung exegetischer Erarbeitung, drucktechnischer Möglichkeiten und der Publikation neue Formen an. Erstellungszyklen von wenigen Jahren für ein Neues Testament sind möglich.

Finanzielle Aspekte (c) gehen mit der Selbst­darstellung der Bibelüber­setzer einher, jedoch können sie auch in sich Motivation sein. Immerhin ermöglichen Bibelübersetzungen die Eroberung eines sicheren kommerziellen Marktes. Weiterhin ermöglicht eine Bibelübersetzung die Erschließung eines Marktes auf längere Zeit. Ähnlich einem Kommentar oder Lexikon, das revidiert und neu aufgelegt werden muss bildet sich so ein Lang­zeit­projekt, dass für kommerzielle Einrichtungen interessant sein kann.

Je nach Kontext eines Projekts schwanken Neubibelübersetzungen zwischen einer großen und einer geringen Planungssicherheit. In Kontexten, in denen die benötigten Akteure in feste Strukturen eingebunden sind und das Projekt gefördert wird, gibt es kaum Risiken, jedoch da, wo die Finanzierung, die politische Situation oder auch die Aufgabenstellung des Projektes ungewiss sind.

Im digitalen Zeitalter bieten Online-Bibeln eine ideale Plattform, um den Erstellungsprozess, das Austesten der Übersetzungsvorschläge und die Diskussion am Text kollektiv zu gestalten. Das Projekt Offene Bibel[50]geht dabei soweit, gleich mehrere Typen von Bibelübersetzungen gleichzeitig zu erstellen um einen breiten Nutzerkreis anzusprechen (Studienbibel, Bibel in leichter Sprache und Gebrauchsbibel).

Die hier genannten Gründe sollen den Wert einer Bibelübersetzung nicht mindern, sie zeigen lediglich die Bandbreite der Optionen für Neubibelübersetzungen auf.

6. Ein Vergleich - Übersicht

Der Vergleich aller drei Typen von Bibelübersetzungsprojekten weist auf die folgenden Umgebungsvariablen:

  1. Sozio-kultureller Hintergrund eines Bibelübersetzungs­projekts. Wer ist das Publikum? Eine breite Gesellschaftsschicht oder Mikrokulturen (Subkultur), Zielgruppenorientierung, christlicher oder nicht-christlicher Kontext.
  2. Sprachlich-kulturelle Komponente. Welche gesellschaftlichen und linguistischen Einflüsse sind zu beachten, treffen aufeinander oder welche sprachlich-kulturellen Ansprüche machen Menschen bei der Übersetzung geltend?
  3. Ökonomische Faktoren, die Interessen begründen. Wer finanziert das Projekt und wie fließt dies in die Projektabläufe ein? Handelt es sich um ein Langzeitprojekt mit angelegter Profitbeteiligung durch eine Organisation (z. B. lokale Bibelgesellschaft)?
  4. Skopos, Projektplan und Prozessabläufe. Sind theologisch-exegetische Kenntnisse den übersetzerischen Fähigkeiten vorzuziehen? Werden spezifische Theorien der Übersetzung angewandt? Diese Punkte sind in allen Übersetzungsprojekten vorher festzulegen. Sie binden die Beteilig­ten aneinander und dienen der Beratung und der Lösung von Problemen. Bei hoher Fluktuation im Projekt sind sie für die Einbindung neuer Teilnehmer wichtig.

Geht man diese Punkte durch, dann agieren Revisionsbibelübersetzungen auf der religiös-sozialen Mikroebene, indem sie Bestehendes durchsehen, verändern (Kürzung, Zufügung, Neuformulierung) und stilistisch an sprachliche Veränderungen anpas­sen. Der grundlegende Text ist bereits in einer Umgebung verankert und erfüllt dort die religiösen Erwartungen von gläubigen Menschen. Die theologisch-exegetische Kenntnis steht über der Fähigkeit zum muttersprachlichen Übersetzen.

Erstbibelüber­setzungen bewegen sich auf der religiös-sozialen Makroebene, da sie Neues konzipieren und neue Umgebungsvariablen schaffen müssen, um die Übersetzung in einem beste­henden Kontext zu verankern.

Neubibelübersetzungen agieren sowohl auf der religiös-sozialen Mikro- als auch auf der Makroebene. Sie ziehen ein Publikum an, das sich aus einem religiösen Umfeld heraus bewegt und neuen Formen altbe­kannter In­hal­te zugewandt ist. Die Neubibelübersetzung bewegt sich aber in einem religiös geprägten Umfeld, dem das Genre Bibelüber­setzung(en) wohlvertraut ist.

In allen drei Typen ist Veränderung des Bibeltextes (bedingt) möglich. Veränderung, Anpassung an sprachlich-kulturelle Neuerungen und damit Übertragung wird positiv gewertet. Texte sind in sich nicht so stabil, dass sie unbeschadet über lange Zeiträume hinweg kommunizieren. Die Prozesse aller drei Typen sind im digitalen Zeitalter einfacher zu gestalten. Produktion, Verbreitung und laufende Kommunikation werden durch soziale Medien und spezielle Computerprogramme vereinfacht und können online zeitnah und überörtlich stattfinden.

Im nachfolgenden Diagramm werden die Beziehungen der Typen miteinander sowie die Unterschiede dargestellt.

Abbildung 2 Vergleich - Revision-, Neu-, Erstbibelübersetzung

7. Conclusio und Ausblick

Ich habe in diesem Artikel die groben Züge und die Maßstäbe dargelegt, nach denen Erst-, Neu- und Revisionsbibelübersetzungen definiert werden können. Es konnte bei weitem nicht alles besprochen werden, sondern es wurden die offen­­sichtlichen Grundzüge, Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus­ge­arbeitet.

Am augenfälligsten war dabei, dass Neubibelübersetzungen mit Proble­matiken beider anderen Typen zu kämpfen haben und daher eine Zwischen­­stellung einnehmen. Sie lehnen sich jedoch mehr an Revisions­bibel­über­­setzungen an, da sie in einem Umfeld geschehen, welches das Genre «Bibel­übersetzung» kennt. Neubibelübersetzungen stimulieren Revisions- und Erstbibel­übersetzungen, da sie den theologisch versierten Experten neue missiologische, theologische, soziologische, translatorische, anthropologische und linguistische Ansätze bieten.

Erstbibelübersetzungen finden in Kontexten statt, denen das Genre Bibelübersetzung bis dahin unbekannt war oder die christliche Interventionen ablehnen. Das Projekt formiert sich um eine sich heranbildende oder bereits existierende, aber kleine christliche Gemeinschaft (Minderheit), der die mutter­­sprachliche Übersetzung biblischer Inhalte in mündlicher oder schriftlicher Form wichtig ist. Das Aussterben und der Erhalt (Konservierung oder Revitalisierung) der Muttersprache, der Auf- und Ausbau von Organisationsstrukturen (Leitungsstruktur, Evangelisationszentren), die Abgrenzung zu lokalen Gesellschaftsgruppen (andere Religion, anderes christliches Verständnis) oder die Teilhabe am globalen Leib Christi können Beweggründe sein. Die Fähigkeit, fremde Inhalte in den eigenen Kontext zu übertragen überwiegt gegenüber der sich lokal erst langsam entwickelnden Kenntnis theologisch-exegetischer Analyse. Lokale Theologien bilden sich heran. Erstbibelübersetzungen stimulieren mit ihrem missiologischen Ansatz Revisionsbibelübersetzungen und Neubibelübersetzungen, die sich von der kommunikativen Ausrichtung in religiös-soziologischer Hinsicht leiten lassen.

Revisionsbibelübersetzungen dagegen formieren sich aus einer bestehenden christlichen Gemeinschaft und deren Theologie. Sie verändern die äußere Form einer bewährten Bibelübersetzung, lassen jedoch den rezeptions­geschichtlichen Inhalt oder die Tradition des Stils stehen. Textkritische Erkenntnisse und moderate stilistische Anpassungen an sprachlich-kulturelle Veränderungen bilden die äußersten vom Korpus der Gläubigen akzeptierten Eingriffe. Theologisch-exegetische Kenntnis hat höchste Priorität. Revisionsbibelübersetzungen stimulieren Neubibelüberset­zungen und Erstbibelübersetzungen, indem sie die neuesten wissenschaft­lichen Erkenntnisse in eine Übersetzung eintragen und diese dadurch als Referenzwerk für muttersprachliche Übersetzer gelten kann.

Allen drei Typen ist gemeinsam, dass sie vom digitalen Zeitalter profitieren. Prozessabläufe werden beschleunigt, dezentralisiert und können raum- und zeitunabhängig stattfinden. Das gleichzeitige Arbeiten mehrerer Übersetzer an einem Text wird ermöglicht.

Die drei Typen unterscheiden sich grundsätzlich in der Zusammen­setzung der beteiligten Parteien. Während bei Erstbibelübersetzungen mutter­sprach­­liche Übersetzer den Kern bilden, um welchen sich Berater und Projekt­mana­ger formieren (nur im Idealfall, oft nicht in der Realität), sind es bei Revisions- und Neubibelübersetzungen muttersprachliche theologische Experten. Ebenso unterscheiden sich die Zielsetzungen der Typen. Erstbibelübersetzungen betonen die Muttersprache und bringen neue, bis dahin nicht bekannte Konzepte in einen sprachlich-kulturellen Kontext ein. Revisions­bibelübersetzungen hingegen bauen auf eine bestehende Tradition auf und setzen diese fort, wobei formale Veränderungen (Anpassung an Umgangs­­sprache, Erfassung textkritischer Erkenntnisse), jedoch keine inhaltlichen möglich sind. Neubibelübersetzung durchbrechen diese Traditionen, sind ihnen jedoch gleichzeitig in einem gewissen Rahmen ausgeliefert, da sie sich im gleichen sprachlich-kulturellen Raum bewegen.

Im Bereich der kreativen Weiterentwicklung von Übersetzungs­theorien findet eine gegenseitige Wechselwirkung aller drei Typen statt. Da es in allen Bibelübersetzungen darum geht «Verständlichkeit» und «Texttreue» gegen­einander auszubalancieren, sind die gemachten Erfahrungen, egal ob auf exegeti­schem, zwischenmenschlichen oder sprachlichem Gebiet für alle Beteiligten interessant. Gerade für Revisionsbibelübersetzung ist es bedeut­sam, dass muttersprachliche Projekte Wert auf «Verständlichkeit» in ihrem meist nicht-christlichen Umfeld legen. Diejenigen Bevölkerungsgruppen, die in Revisionsbibelübersetzungen nicht angesprochen werden spielen dort in den translatorischen Überlegungen nur eine untergeordnete Rolle. Umgekehrt können Erstbibelübersetzungen aus der Geschichte der Revisionsbibel­über­setzung davon lernen, das Produkt als den Ursprung einer Übersetzungs-Tradition zu erkennen, die sich erst im Verlauf ihrer Entwicklung entfaltet. Als Fazit daraus lässt sich festhalten, die «richtige» Erstbibelübersetzung wird es nicht gleich zu Beginn geben, sondern die «Bibelübersetzung als fachliche Leistung» sowie weitere Bibelübersetzungen entwickeln sich im Laufe der Ausformung gemeindlicher Strukturen.

Ein Bereich, den die drei Typen auszutarieren haben ist die Betonung der translatorischen Fähigkeiten im Gegensatz zu den theologisch-exegetischen Abwägungen. Dieser Bereich ist besonders für das Einbringen vorhandener Theologien im Falle von Revisions- und Neubibelübersetzungen und der Entwicklung von Theologien im Falle von Erstbibelübersetzungen aus­schlaggebend. Beides sollte in die Übersetzung ausgewogen einfließen, wobei treffende Übersetzungen dem kommunikativen Ziel am meisten Dienen. Vor allem in Kontexten, in denen bereits Bibelübersetzungen bestehen, wird an Neuübersetzungen meist nur deren (mangelhafte) theologisch-exegetische Analyse kritisiert, wobei diese wiederum oft den trans­la­torischen Bereich im Sinne eines zielgruppenorientierten kommuni­ka­tiven Skopos betonen.[51]

           

 

 

Anhang

Typ

Beschreibung

Schnittstellen und Unterschiede – ein Vergleich

Erstbibel-übersetzung

(EBÜ)

  1. Publikum: Fokus auf ein spezifisches Zielpublikum – zielgruppenorientierter Ansatz. Muttersprachlich Interessierte, die offen sind für interreligiöse Erfahrung.
  2. Projektmanagement (Leitung, Finanzierung und Beratung) kommt von außen, muttersprachliche Übersetzer stammen aus der Volksgruppe.
  3. Umgebungsvariablen: Bibelübersetzung als christliches Unterfangen wird kritisch betrachtet oder abgelehnt.
  4. Sprachniveau: Je nach Zielpublikum, jedoch meist Alltagssprache der Mittelschicht.
  5. Digitalisierung: Zahlreiche Bibelübersetzungsprogramme zur exegetischen Bearbeitung, Übersetzung und Verbreitung.
  • Gefahr des Paternalismus und Neo-Kolonialismus, da Management und Expertise von außen kommen.
  • Erwartungsdruck von Außenstehenden ist groß (Spender, Übersetzungsberater etc.).
  • Übereinstimmung der Prozessabläufe, insbesondere der Übersetzung durch mutter­sprachliche Übersetzer, Beraterfunktionen und Veröffentlichungsprozesse (schriftlich, digital, online).
  • Fähigkeit fremde Inhalte in den eigenen Kontext zu übertragen überwiegt.
  • Niedrige Planungssicherheit: Projektplan genau definiert, jedoch können die Akteure schnell wechseln.
  • Publikum ist unbedarft und daher u. U. unkritisch oder überkritisch.
  • Schwerpunkt liegt auf einem Ausgangstext der die biblische Botschaft in verständlicher Form an die muttersprachliche Kirche/ soziale Gemeinschaft kommuniziert.

Revisions­bibel-übersetzung

(RBÜ)

  1. Publikum: Christliches Publikum. Genre Bibelübersetzung ist bekannt.
  2. Skopos: Durchsicht, Überarbeitung eines bestehenden Textes. Fortführung einer Traditionsgeschichte.
  3. Sprachniveau: Gehobene Alltagssprache.
  4. Digitalisierung: Wichtig sind Programme, die gleichzeitiges Arbeiten ermöglichen und den fortlaufenden Übersetzungsprozess dokumentieren.
  • Hohe Planungssicherheit durch ausgefeilten Projektplan, alle Akteure kennen ihre Rollen.
  • Erwartungsdruck von allen Seiten ist hoch.
  • theologisch-exegetische Kenntnis hat höchste Priorität.
  • Publikum hat hohe Erwartungen.
  • Schwerpunkt liegt auf einem Text, welcher wissenschaftliche Belange abdeckt und eine Kirchentradition fortführt.

Neubibel-übersetzung

(NBÜ)

  1. Publikum: Christliches Publikum. Genre Bibelübersetzung ist bekannt.
  2. Skopos: Fokus auf ein spezifisches Zielpublikum – zielgruppenorientierter Ansatz (gesellschaftliche Segmente; religiöse Differenzierung; z. B. Volxbibel 16jährige Jugendliche, Einheitsübersetzung – römisch–katholische Leserschaft),
  3. Sprachniveau: Je nach Zielgruppe.
  4. Anwendung eines bis dahin noch nicht angewandten theoretischen Modells der Übersetzung (z. B. Insel-Übersetzung von Berger & Nord 1999 s. o.),
  5. Anwendung einer bereits bekannten Übersetzungstheorie (z. B. Gute Nachricht Bibel 1980 mit dynamischer Äquivalenz),
  6. Anwendung eines anderen oder neuen Übersetzungsstils (z. B. das buch) oder Medien­formats (z. B. Online-Bibel wie die Offene Bibel, Volxbibel oder die Basis Bibel).
  7. Digitalisierung: Zahlreiche Bibelübersetzungsprogramme zur exegetischen Bearbeitung, Übersetzung und Verbreitung.

 

  • Publikum kennt das Genre Bibelübersetzung(en), erwartet jedoch meist nicht viel.
  • Einbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse, aber auch neue Methoden der Übersetzung fließen in die Übersetzung ein.
  • Initiator(en) folgen meist neuen Ansätzen und sind daher eher frei in ihren Entscheidungen.
  • Das Produkt grenzt sich zu bestehenden Bibelübersetzungen ab, was von der bestehenden Kirche kritisch betrachtet wird.
  • Wechselwirkung zwischen theologisch-exegetischer Kenntnis und Fähigkeit zum muttersprachlichen Übersetzen.

 

 

[1] Zur Wissenschaft der Bibelübersetzung: Jinbachian benutzt hierfür die Bezeichnung Primärübersetzung (primary translation), Sekundärübersetzung (secondary translation) und Tertiärübersetzung (tertiary translation) und geht dabei von Abhängigkeiten vom Grundtext und von vorhandenen Bibelübersetzungen aus (Jinbachian 2007:30). Jinbachian, Manuel M. 2007. Introduction: The Septuagint to the Vernaculars, in Noss, Philip A. (ed.): A History of Bible Translation, 29-57. Roma: Edizioni di Storia e Letteratura. Ihm folgt Wendland (UBS Übersetzungsberater), der jedoch die dritte Stufe – die Tertiärübersetzung – auslässt (2008:120). Wendland, Ernst 2008. Contextual Frames of Reference in Translation: a Coursebook for Bible Translators and Teachers. Manchester: St. Jerome. Zur Übersetzungswissenschaft: «Die verschiedenen Arten der Bibelübersetzung geben ein weiteres Beispiel für die Auswirkung des Zweckes einer Übersetzung auf die Übersetzungsmethode. Soll die Bibelübersetzung vor allem dem Zweck der Missionierung dienen (wie es vornehmlich dann der Fall ist, wenn die Bibel zum ersten Mal in eine Volkssprache übersetzt wird), so muß sie als appellbetonter Text behandelt werden.» Und S. 98: «… ergibt sich für Neuübersetzungen [Hervorhebung im Original. EW.] die Möglichkeit einer stärkeren Rücksichtnahme auf den literarischen Formenreichtum der Quelle.» (Reiß 1971:96, 98). Reiß, Katharina 1971. Möglichkeiten und Kriterien der Übersetzungskritik: Kategorien und Kriterien für eine sachgerechte Beurteilung von Übersetzungen. München: Max Hueber.

[2] Meurer benennt in seinem Überblick zu den Lutherbibelrevisionen das protestantische Problem als ein «Problem von Tradition und Mission» (2001:15). Meurer, Siegfried 2001. Vorwort, in Fricke, Klaus Dietrich & Meurer, Siegfried (Hgg.): Die Geschichte der Lutherbibelrevision von 1850 bis 1984, 13-34. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft.

[3] Haacker 2015:11. Haacker, Klaus 2015. Bibelübersetzung und Bibelwissenschaft, in Piennisch, Markus & Wassermann, Peter (Hgg.): Stuttgarter Theologische Themen: Jubiläumsband X - Die Bibel im Kontext der semitischen Ursprachen als Grundlage der Offenbarung Gottes, 11-30.Stuttgart: Eusebia. So auch Miller 2002:26. Miller, Waldemar 2002. Bibelübersetzung im Dienste der Weltmission: Eine Untersuchung über den Einfluss der Bibelübersetzungstätigkeit auf die Ausbreitung und die Festigung des Christentums. Atlanta: IGW & Luther Rice Seminary. [unveröffentlichte Diplomarbeit].

[4] Online. URL: https://www.wycliffe.org.uk/wycliffe/about/statistics.html [Stand 2017-05-05]. Das Joshua-Projekt listet die Probleme auf, die bei der Festlegung, was eine Ethnie sei entstehen. Die Annahme von 16.400 Ethnien zählt die heutigen Staats­grenzen hinzu, da sie Ethnien sprachlich-kulturell spalten. Online: URL: https://­joshua­pro­ject.­net/­resources/­articles/how_many_people_groups_are_there [Stand­ 2017-05-05]. Weitere bekannte globale Organisationen in der Bibelübersetzung sind United Bible Societies (UK), Global Bible Translators (Korea), Evangel Bible Translators (USA), International Bible Society (USA), Lutheran Bible Translators (USA), Pioneer Bible Translators (USA) sowie lokale Bibelübersetzungsorganisationen und viele andere.

[5] Missiologie wird als die kreative und dynamische praktische Frucht der lokalen Theologien und der Theologie im generellen betrachtet, welche diese letztere wiederum zu neuem Nachdenken und neuen Ansätzen stimuliert.

[6] Die Volxbibel - Neues Testament 2005. Dreyer, Martin. Witten: Volxbibel. Und Online: URL: http://wiki.volxbibel.com/ [Stand 2017-01-20].

[7]Bibel in gerechter Sprache (BigS) [2006] 2011. Bail, Ulrike u. a. 2. rev. Aufl. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus. Und Online: URL: http://www.bibel-in-gerechter-sprache.de/ [Stand 2017-04-20].

[8] Neue Genfer Übersetzung - Neues Testament und Psalmen (NGÜ) 2015. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft.

[9] Kähler, Christoph 2016. Die Revision der Lutherbibel zum Jubiläumsjahr 2017 - 500 Jahre Reformation, in Jahr, Hannelore (Hg.): »... und hätte der Liebe nicht« Die Revision und Neugestaltung der Lutherbibel zum Jubiläumsjahr 2017: 500 Jahre Reformation, 7-20. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft.

[10] Bibelübersetzung ist immer Teamarbeit. Luthers Vorstoß auf der Wartburg wurde schnell zur Teamarbeit. Sein Team setzte sich zusammen aus Johannes Bugenhagen, Justus Jonas, Caspar Creuziger, Philipp Melanchthon, Mat­thäus Aurogallus und Georg Rörer. Ausführlich hat sich Sven Bigl mit der Geschichte der Revisionen beschäftigt (Bigl 2016:31-32, u.a.). Bigl, Sven 2016. Von der Reformationszeit bis 2017. Die Revisionsgeschichte der Lutherbibel, in Jahr, Hannelore (Hg.): »... und hätte der Liebe nicht« Die Revision und Neugestaltung der Lutherbibel zum Jubiläumsjahr 2017: 500 Jahre Reformation, 31-41. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft. Zum Aspekt der Teamarbeit an der Lutherbibel hat sich Schneider ausführlich geäußert (2014:21-22). Schneider, Nikolaus 2014. Luthers Arbeit an der Bibelübersetzung: Ein Beispiel reformatorischen Theologie-Treibens, in Lange, Melanie & Rösel, Martin (Hgg.): »Was Dolmetschen für Kunst und Arbeit sei«: Die Lutherbibel und andere deutsche Bibelübersetzungen - Beiträge der Rostocker Konferenz 2013, 11-26. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft.

[11] Michel, Stefan 2016. Kirchenhistorische Hintergründe zur Entstehung und Normierung der Ausgabe der Lutherbibel von 1545. Evangelische Theologie: Die Revision der Lutherbibel für das Jahr 2017, 76/4, 246-256. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.

[12] „Christlich“ muss hier im Kontext „biblisch“ und nicht als kultureller Begriff verstanden werden. In diesem Sinne ist auch von der bewussten Jesus-Nachfolge her und nicht vom „Christentum“ her zu denken. Es geht um biblische und nicht um menschenrechtliche Konzepte. Beispielhaft seien hier genannt: «Bekehrung», «Umkehr», «Versöhnung», «Trinität», «Kreuz, stellvertretendes Opfer» und «Heil». Diese frühkirchlichen Konzepte wurden bereits in den Anfängen der jesuanischen Predigt offen oder indirekt von Zeitgenossen kritisch hinterfragt und werden bis heute unterschiedlich diskutiert. Als historisches Beispiel sei der reiche Jüngling und seine Anfrage zum Gewinn des ewigen Lebens erwähnt (Mt 19:16-25).

[13] Deissmann, Adolf Gustav 1909. Licht vom Osten. 3. Aufl. Tübingen: J. C. B. Mohr.

[14] Die Annahme, die griechischen Koiné-Texte seien Übersetzungen aus dem mündlichen und schriftlichen Aramäischen ist weit verbreitet, würde aber bedeuten, dass diese uns nicht erhaltenen Texte im Zeitraum unmittelbar nach der Himmelfahrt des messianischen Jesus entstanden und danach ins Koiné-Griechisch übersetzt und in Umlauf gebracht worden wären. Lamsa betont eine solche frühe Abfassung (1963:17). Lamsa, George M. 1963. Die Evangelien in aramäischer Sicht. St. Gallen: Neuer Johannes Verlag.

[15] Kocher, Ursula 2016. Lieber, wie redet der Deudsche man jnn solchem fall? Die Revision der Lutherbibel 2017 aus germanistischer Sicht. Evangelische Theologie: Die Revision der Lutherbibel für das Jahr 2017, 76/4, 257-267. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus. So auch Elewa, Abdelhamid 2014. Features of Translating Religious Texts. Journal of Translation (JOT) 10/1, 25-33. Dallas. SIL International. Long deutet die Verehrung von religiösen Texten durch deren Leser, die sie in den «heiligen» oder «sakralen» Stand erheben. Dies gilt insbesondere für Übersetzungen, die in sich Deutungen enthalten (2005:9, 14). Long, Lynne 2005. Introduction: Translating Holy Texts, in Lynn, Long (ed.): Translation and Religion: Holy Untranslatable? 1-15. Clevedon: Multilingual Matters.

[16] Die Idee eines verbindlichen Textes setzt eine gemeinsame Muttersprache und eine homogene religiöse Ausrichtung voraus. Dies scheitert jedoch an den unter­schied­lichen sprachlichen und kirchlichen Zielsetzungen. Die zentrale gesell­schaftliche Stellung der Kirche im Mittelalter ließ den verbindlichen Umgang mit einer Liturgie-bibel zu, war jedoch auch damals schon Wunschdenken, da die lateinische Vulgata, verschie­dene Versionen der Lutherübersetzung und andere deutsche Bibeln im kirch­lichen und privaten Bereich miteinander konkurrierten (s. FN 9; 11; 45). Die «schleichende» Inspirationshypothese, die sich über mehrere Jahrhunderte hinweg entwickelte, führte im deutschsprachigen Raum für die Luther­bibel und im anglophonen für die King James Version zu einer zentralen Allein-Stellung.

[17] Jeising, Thomas 2012. Was bedeutet Inspiration?, in Mayer, Thomas (Hg.): Die Bibel - Ganze Inspiration. Ganze Wahrheit. Ganze Einheit, 34-59. Nürnberg: VTR.

[18] Hier sei ein Einschub erlaubt. Meiner Meinung nach fälschlicherweise wird zwischen Übertragung und Übersetzung unterschieden. Gerade eine Informations-«Übertragung» ist dem Wortsinn nach eine wörtliche Übersetzung aus einem Sprachkreis in einen anderen. Eine Radio-«übertragung» stellt eine eins-zu-eins Übermittlung von einem Sender zu einem Empfänger dar. Es finden keine Veränderungen statt. In diesem Sinne ist es besser von «Paraphrase», «freier Übersetzung» oder «freier Übertragung» zu sprechen. Die semantische Variation von «Übertragung» als einer «freien Interpretation eines Textes» ist meiner Meinung nach eine besonders im kirchlichen Raum verwendete Metapher, um unliebsame Übersetzungen zu diskreditieren und der Verfälschung zu verdächtigen. Im Übrigen handelt es sich um ein deutsches Phänomen, da im anglophonen und francophonen Raum diese Wort-Unterscheidung nicht vorkommt. Dort wird unzweideutiger zwischen paraphrase und translation unterschieden.

[19] Venuti, Lawrence S. [1995] 2008. The Translator's Invisibility: A history of translation. 2nd ed. London: Routledge.

[20] Das Alte Testament: Interlinearübersetzung Hebräisch-Deutsch 2003. Steurer, Rita Maria. Holzgerlingen: Hänssler. Das Neue Testament: Interlinearübersetzung Griechisch-Deutsch 2003. Dietzfelbinger, Ernst. Holz­gerlingen: Hänssler. DaBhaR - DIE GESCHRIEBENE des Alten Bundes und DIE GESCHRIEBENE des Neuen Bundes 1989. 2. Bde. Baader, Fritz Henning. Schömberg: Eigenverlag.

[21]Revidierte Elberfelder Bibel (ELB) 1992. Wuppertal: Brockhaus. Die Heilige Schrift. Elberfelder Über­setzung. Edition CSV Hückeswagen.

[22] Gewöhnung und Tradition führen zu einem Wahrnehmungsverlust darüber, ob Inhalte verstanden werden oder nicht. Der Begriff «Vater» erhielt durch den biblischen Kontext eine Erweiterung, die sich nicht in den Alltags-Sprachgebrauch übertragen hat. «Vater vieler Völker» (Gen 17:5; ähnlich Gen 4:21 «Vater aller die Zither spielen» etc.) würde man im normalen Sprachgebrauch niemals über einem Herrscher, Anführer oder Patriarchen sagen. Der Begriff «Stammvater» hat sich nur im kirchlichen Rahmen eingebürgert, ansonsten wird «Ahnherr», «Vorfahre», «Ursprung der Familie» benutzt.

[23] Schwarz, Werner 1986. Schriften zur Bibelübersetzung und mittelalterlichen Übersetzungstheorie. Hamburg: Friedrich Wittig. Nida, Eugene A. 1964. Toward a Science of Translating - with Special Reference to Principles and Procedures Involved in Bible Translating. Leiden: Brill.

[24]Neue Genfer Übersetzung (2015), s.o. Hier: Hinweise für den Leser, S. VII.

[25] Sprachtod, Sprachsterben, Kultur- und Sprachwandel sind komplexe Vorgänge, die zunehmend kommentiert, untersucht und beschrieben werden. Wie auch immer, die Beschreibung solcher Prozesse halten dieselben nicht auf. Die Beschreibung dient mehr der Konservierung des ethnisch-linguistischen Profils der Weltgemeinschaft. Die Soziolinguistik bietet entsprechende Beschreibungsmodelle und –instrumentarien (Fasold 1993:213, 215, 239). Fasold, Ralph [1984] 1993. The Sociolinguistics of Society. Oxford: Blackwell.

[26] Die absolute Mehrheit der weltweiten Bibelübersetzungsprojekte wird von Menschen bewerkstelligt, die nicht (mehr) in ihrem ursprünglichen Sprachgebiet leben. Meist sind es die Großstädte im eigenen Land oder westlich orientierte Staaten, in denen sich große ethnische Gruppen niederlassen. Dort fällt die Arbeit der Bibelübersetzung mit ausländischem oder anders-ethnischem Hintergrund weniger auf und bietet mehr Testpersonal. Siehe Kim, S. Hun 2014. Diaspora Mission and Bible Translation, in Im, Chandler H. & Yong, Amos (eds.): Global Diasporas and Mission, 228-235. Oxford: Regnum Books International. Also Online: URL: http://www.­ocms.­ac.­uk/regnum/downloads/-Global_Diasporas_­and_­Mission.pdf [PDF-File] [accessed 2017-04-20]. Meines Wissens ist der Einfluss der politisch-sozialen Umgebung auf ein modernes Revisions­bibelübersetzungsprojekt noch nicht untersucht worden. Felber hat dies anhand der kommunikativen Übersetzungstheorie von Nida (dynamische/ funktionale Äquivalenz) versucht anzudeuten, tritt aber zu kurz aufgrund einer selbstkritischen Reflexion der eigenen Kirche, die mit der Lutherübersetzung genauso zeitgeistabhängig umgeht. Felber, Stefan 2013. Kommunikative Bibelübersetzung - Eugene A. Nida und sein Modell der dynamischen Äquivalenz. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft.

[27] Porter weist auf die Veränderungen innerhalb der historischen Entwicklung von neutestamentlichen Kommentaren hin. Er zählt dabei übersetzungstechnische Fragen nicht auf, was andeutet, dass dies keine Prämisse der Kommentatoren ist (2013:51-53). Porter, Stanley E. 2013. The Linguistic Competence of New Testament Commentaries, in Porter, Stanley E. & Schnabel, Eckhard J. (eds.): On the Writing of New Testament Commentaries. Festschrift for Grant R. Osborne on the Occasion of his 70th Birthday, 34-56. Brill: Leiden. Online: URL: http://www.krizma-ebooks.com/books/On%­20the%20Writing%20of%20New%20Testament%20Commentaries.pdf [PDF-File] [2017-04-10]. Moo zählt zwei Kommentarreihen auf, die diesen Vorwurf durchbrechen, doch bilden diese eine große Ausnahme (Moo 2013:67-68). Moo, Douglas J. 2013. Translation in New Testament Commentaries, in Porter, Stanley E. & Schnabel, Eckhard J. (eds.): On the Writing of New Testament Commentaries. Festschrift for Grant R. Osborne on the Occasion of his 70th Birthday, 57-72. Brill: Leiden. Online: URL: http://www.krizma-ebooks.com/books/On%20the%20­Wri­ting%20of%20New­%­20­­Tes­tament­­%20Com­men­taries.pdf [PDF-File] [2017-04-20].

[28] GNT 2014. The Greek New Testament. Aland, Kurt, u. a. (Hgg.). 5. Aufl. Holzgerlingen: Deutsche Bibelgesellschaft. Metzger, Bruce M. 1975. A Textual Commentary on the Greek New Testament. Corr. ed. London and New York: United Bible Societies. Andere, die auf diese aufbauen, wie z. B. Omanson und Metzger (2006) seien hier nur kurz erwähnt. Omanson, Roger L., & Metzger, Bruce M. 2006. A Textual Guide to the Greek New Testament: An adaptation of Bruce M. Metzger's Textual commentary for the needs of translators. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft.

[29] Das Lukasevangelium bietet den besten historischen Überblick über die Geschehnisse um Jesus von Nazareth, dem Messias.

[30]Nida, Eugene A. 1964. Toward a Science of Translating - with Special Reference to Principles and Procedures Involved in Bible Translating. Leiden: E.J. Brill. (TASOT). Nida, Eugene A. & Taber, Charles R. 1969. The Theory and Practice of Translation. Leiden: E. J. Brill. (TAPOT).Waard, Jan de & Nida, Eugene A. 1986. From One Language to Another: Functional Equivalence in Bible Translation. Nashville: Nelson. (FOLIA). Katan, David 1999. Translating Cultures: An Introduction for Translators, Interpreters and Mediators. Manchester: St. Jerome.Gutt, Ernst-August 1992. Relevance Theory: A Guide to Successful Communication in Translation. Dallas: SIL International/UBS. Gutt, Ernst-August [1991] 2000. Translation and Relevance: Cognition and Context. 2nd ed. Manchester: St. Jerome. Vermeer, Hans J. 1978. Ein Rahmen für eine allgemeine Translationstheorie. Lebende Sprachen 23/1, 99-102. München: Langenscheidt. Nord, Christiane [1997] 2001. Translating as a Purposeful Activity: Functionalist Approaches Ex­plain­ed. Reprint. Manchester: St. Jerome.

[31] Ausführlich Werner 2011:102-193. Werner, Eberhard 2011. Bibelübersetzung in Theorie und Praxis: Eine Darstellung ihrer Interdisziplinarität anhand der Ausbildungspraxis. Hamburg: Kovač. Die einzige deutschsprachige Bibelübersetzung nach explizit funktionalen Gesichtspunkten stellt die INSEL-Übersetzung dar: Berger, Klaus & Nord, Christiane 1999. Das Neue Testament und frühchristliche Schriften. Frankfurt am Main: Insel.

[32]Harmelink, Bryan 2012. Lexical Pragmatics and Hermeneutical Issues in the Translation of Key Terms. Journal of Translation (JOT) 8/1, 25-35. Dallas: Summer Institute of Linguistics. Also Online: URL: http://www.sil.org/siljot/2012/­1/9284­7­4­5­4­8­­938/siljot2012-1-03.pdf [PDF] [accessed 2017-04-29]. Ein Beispiel bildet der Begriff Ἰησοῦς Χριστός Iësous Christos «Jesus Christus» wobei ὁ χριστός ho christos «der Christus» (z. B. Apg 9:34) direkt aus dem Griechischen eingeführt wurde. Dies verschleiert heutzutage die Bedeutung der Salbung und Ölung, wie es dem griech. Μεσσίας «Messias», hebr. משִׁיחַ mašiaḥ «Messias» entspricht (z. B. die Salbung von König David 1Sam 16:13; s. a. FN 46).

[33]Lakoff, Georg & Johnson, Mark [1980] 2003. Metaphors We Live By. 2nd. ed. Chicago: University of Chicago Press. Also Online: URL: http://shu.bg/tadmin/­upload/­storage/161.pdf [accessed 2016-10-10]. Goddard, Cliff 1994. Semantic Theory and Semantic Universals, in Goddard, Cliff & Wierzbicka, Anna (eds.): Semantic and Lexical Universals: Theory and Empirical Findings, 8-29. Amsterdam: John Benjamins. Ricoeur, Paul 1974. Stellung und Funktion der Metapher in der biblischen Sprache, in Ricoeur, Paul & Jüngel, Ernst (Hg.): Metapher. Zur Hermeneutik religiöser Sprache, 24-45. Sonder­heft Evangelische Theologie. München: Kaiser.

[34] ParaText erlaubt das gleichzeitige Betrachten des Grundtextes, die Einsicht in zwei Referenz-Übersetzungen und das Erstellen der eigenen Übersetzung in einem vorformatierten Leerfeld (Verszählung, Kapitelüberschriften- und Fuß­noten­formatierung) und an einem größeren Bild­schirm. Der übersetzte Text wird automatisch an eine vorausgewählte Gruppe versandt, die gleichzeitig am selben Text arbeiten kann. Fieldworks (FleX) ist ein linguistisches Programm, welches selbst aufgebaute Lexika erlaubt. Es kann mit Paratext gekoppelt werden und kann Wort-Inhalte automatisch mit dem biblischen Text aus Paratext abgleichen und so Inkon­sis­ten­zen oder Abweichungen aufzeigen. Auch ethnographisch-anthropologische Beobach­tungen zu einem Stichwort können abgerufen und so im Übersetzungs­prozess berücksichtigt werden.

[35] Zur Lutherbibel 2017: Bibelreport IV 2010. Durchsicht der Lutherbibel, 14. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft.

[36] Werlitz beschreibt in diesem Sinne im Anhang zur Einheitsübersetzung 2016 den Revisionsvorgang folgendermaßen: «Die Revision sollte daher moderat erfolgen und den Textbestand mit seinem längst vertraut gewordenen Grundton so weit wie möglich bewahren» (2016:1448). Werlitz, Jürgen 2016. I. Die Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift und ihre Revision: Ein einführender Überblick. Die Bibel - Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift 2016, 1447-1452. Gesamtausgabe. Stuttgart: Katholisches Bibelwerk. Gleichermaßen auch die Revision der Lutherbibel 2017: «Ganz behutsam wurden jene Stellen verändert, die heute unverständlich oder missverständlich sind» (Bedford-Strohm 2017: Vorwort). Bedford-Strohm, Heinrich 2017. Vorwort. Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung. Lutherbibel Revidiert 2017 mit Apokryphen. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft.

[37]Barr, James 1961. The Semantics of Biblical Language. Oxford: Clarendon Press. [Dt.: Barr, James 1965. Bibelexegese und moderne Semantik: Theologische und linguistische Methode in der Bibelwissenschaft. München: Chr. Kaiser.]. Silva, Moisés [1983] 1994. Biblical words and their meaning. Grand Rapids: Zondervan. Cotterell, Peter & Turner, Max 1989. Linguistics & Biblical Interpretation: How to Break Free from Bad Church Experience. Downers Grove: Inter Varsity Press.Lee, John A. L. 2003. A History of New Testament Lexicography. Studies in Biblical Greek 8. New York: Peter Lang.

[38] Das Beispiel des Begriffes Χριστός Christos wurde bereits erwähnt (s. FN 32). Böhm gibt ein Beispiel zum Wechsel von «jüdisch» zu «judäisch». Böhm, Martina, Ursula 2016. Warum sich Josef nun (besser) in das judäische Land aufmacht und die Prophetin Hanna (leider) um 21 Jahre jünger geworden ist: Chancen und Probleme der Revision der Lutherbibel, an Beispielen aus dem Lukasevangelium gezeigt. Evangelische Theologie: Die Revision der Lutherbibel für das Jahr 2017, 76/4, 281-293. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.

[39] Lk 4:1: «Jesus aber, voll Heiligen Geistes, kam zurück vom Jordan. Und er wurde vom Geist in der Wüste umhergeführt (2) vierzig Tage lang und von dem Teufel versucht...». Ein anderes inhaltliches Beispiel aus Lk 2:36. Hier ergibt sich eine Differenz des Lebensalters der Prophetin Hanna um 21 Jahre. Im Luthertext von 1545 steht bezüglich der Prophetin Hanna: «Nach ihrer Jungfrauschaft hatte sie sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt» während man 1984 übersetzte: «... Sie hatte sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt, nachdem sie geheiratet hatte.» (Böhm 2016:248).

[40] «Insgesamt kann man festhalten, dass gerade die veralteten Wörter, die entweder nicht mehr verstanden werden oder ihre Bedeutung verändert haben, einen wesentlichen Anteil am Klang der Lutherbibel haben. Da scheint es sekundär zu sein, ob der Rezipient oder die Rezipientin überhaupt noch eine Chance hat, den Sinn zu verstehen - man denke an das immer wieder zitierte ‹holdselig›» (Kocher 2016:263).

[41] Ausführlich Kähler 2016 (s. FN 9), Kocher 2016 (s. FN 15), Böhm 2016 (s. FN 38).

[42] Gute Nachricht Bibel(GNB) [1997] 2000. Im Auftrag und in Verantwortung der evangelischen Bibelgesellschaften und katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Revidierte Fassung 1997, aus Anlass der neuen Rechtschreibung durchgesehen. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft.

[43] das buch - Standardausgabe: Das Neue Testament 2009. Werner, Roland. Witten: SCM Brockhaus.

[44] BasisB: Grund genug zu leben - Die Bibel interaktiv. 2017. Stuttgart: Deutsche Bibel­ge­sell­schaft. Und Online: URL: http://www.basisbibel.de/basisbibel-online/­bibel­text [Stand 2017-04-06].

[45] Es werden bis zu 40 bereits bestehende deutsche Übersetzungen angenommen. Zumindest die Koberger Bibel, die Zainer Bibel und die von Hans Otmar lagen Luther und seinem Übersetzungsteam vor. Nichtsdestotrotz: «die Annahme, daß Luther eine spätmittelalterliche Bibelübersetzung regelrecht benutzt habe, wurde von der Forschung widerlegt» (in Hövelmann 1989:22). Auch die Kölner Bibel von 1480 war im Umlauf und den Theologen bekannt (Worth 1992:42, 44). Worth, Roland H. jr. 1992. Bible Translations: A History through Source Documents. London: McFarland.

[46] Oben wurden bereits «Heiland» und «Stiftshütte» besprochen. Hierzu gehört auch die Einführung des griechischen groß geschriebenen Titels Χριστός Xristos «Christus» (z. B. Mt 1:16; s. a. FN 32). Von der hebräischen Bedeutung משִׁיחַ meṣiaḥ «Messias» entwickelt er sich über griech. Μεσσίας Messias zum Eigennamen im Deutschen. ψευδόχριστος pseudoxristos «falsche Christusse» in Mt 24:24 und Mk 13:22. Hier wäre der Begriff «falsche Heilsbringer» vielsagender. Nichtsdestotrotz müsste eine Fußnote auf die Antipode zu Christus hinweisen.

[47]Pasors (1622) Etyma nominum propriorum itemque analysis Hebraeorum, Syriacorum et Latinorum vocabulorum quae in novo testamento uspiam occurrunt stand Passow (1823) Handwörterbuch der griechischen Sprache Pate. Der wiederum beeinflusste Pape (1842), Schöttgen-Krebs-Spohn (1717 und 1790) und Wilke-Grimm1 (1868), Schleusner (1829) und Cremer (1867), Preuschen (1910) und Preuschen & Bauer (1923) und später Bauer3 (1937; Lee 2003:8-11). Cremer wurde zur Vorlage für Kittel (ThWNT1933-1979) und weitere biblische Wörterbücher (z. B. Bauer6 1988). Hier nur die Anfänge: Pasor, Georg [1622] 1686. Etyma nominum propriorum itemque analysis Hebraeorum, Syriacorum et Latinorum vocabulorum quae in novo testamento uspiam occurrunt. Orig. Herborn 1622. Weitere Aufl. Goslar, 1639; London, 1644. Leipzig: Sumptibus Joh. Friedrich Gleditsch. Passow, Franz [1823] 1993. Handwörterbuch der griechischen Sprache. 4 Bände. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Cremer, Hermann [1867] 1915. Biblisch-theologisches Wörterbuch der neutestamentlichen Gräcität. Gotha: F. A. Perthes. (10. Aufl., bearb. v. Kögel, Johannes. Gotha 1911-1915).

[48] Diese Entwicklung ist der Grund warum aufgrund von Verkündigung und dem Ausbau kirchlicher Strukturen das germanische Götterpantheon langsam in den Hintergrund geriet. So spielt es sich überall ab, wo die biblische Botschaft Fuß fasst. Kulturelle Praktiken werden an der biblischen Norm ausgerichtet, was sich sprachlich auswirkt. Ein Beispiel ist das «Grüß Gott», eine Kurzform von «Ich grüße Sie/Dich im Namen Gottes», der südlichen deutschen Dialekte oder unzählige Sprichwörter, die wörtlich oder abgeleitet der Bibel entstammen.

[49] Ein Beispiel ist die Entwicklung und Deutung des Begriffs ἁμαρτία hamartia «Sünde, Schuld, Übertretung, Zielverfehlung» (Thayer 277). Im kirchlichen Kontext wird damit die «Zielverfehlung eines Lebens ohne Gottesbezug» beschrieben, während im Alltag daraus unvernünftige Handlungen («ich esse zu viel – ich habe [gegen mich] gesündigt») oder Verstöße gegen moralische Normen («sie mobbt ständig») wurden (s. Duden Eintrag «Sünde»).

[50]Offene Bibel. Online Bibel. 3 Bibeln in einem Projekt. Studienversion, Leichte Sprache, Lesefassung. Frankfurt: Offene Bibel e.V. Online: URL: http://www.offene-bibel.de/ [Stand 2018-01-30].

[51] Das theologische Gutachten zur Bibel in gerechter Sprache argumentiert allein auf der theologisch-exegetischen Ebene und den Auswirkungen auf die lokale (westlich-reformatorische) Theologie. Die Bereicherungen auf der Informationsebene, z. B. die Geschlechtslosigkeit Gottes wird als störend empfunden (Wilckens 2007:135-136). Wilckens, Ulrich 2007. Theologisches Gutachten zur „Bibel in gerechter Sprache". theologische beiträge 03/38, 135- 151. Haan: Brockhaus.