Wissenschaft der Bibelübersetzung und Übersetzungswissenschaften

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Wissenschaft der Bibelübersetzung und Übersetzungswissenschaften

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Inhalt

Abstrakt 1

Einführung. 1

Übersetzung und Übersetzen. 2

Wissenschaft zur Bibelübersetzung. 3

Kirche und Muttersprache. 3

Ethik. 4

Bibelübersetzung - Introspektion und Extrospektion. 5

Interne wissenschaftliche Evidenz in der Bibelübersetzung. 5

Der kirchliche Codex - interne und externe Funktionen. 6

Äußerer wissenschaftlicher Nachweis der Bibelübersetzung als Wissenschaft 6

Modelle und Prinzipien der Kommunikation und Übersetzung. 6

Geschichte der Bibelübersetzung und das Inkarnatorische Übersetzungsprinzip. 7

Ausbildung von Bibelübersetzern – Trigger-Theorien. 8

Bewertung der Übersetzungsqualität 9

Das Mandat für die Bibelübersetzung als Wissenschaft 9

 

 

Abstrakt

Die Beziehung von den Übersetzungswissenschaften zur Wissenschaft der Bibelübersetzung ist eng. Übersetzung reicht weit in die menschliche Geschichte zurück. Als akademische Disziplinen sind beide Fachbereiche jedoch relativ jung. Die gegenseitige Beeinflussung ist wesentlich und beide bringen neue Modelle hervor und ergänzen sich gegenseitig mit Wissen und Erfahrung. Während die Bibelübersetzung zu den angewandten Disziplinen der Translationswissenschaften gehört, bilden ist die Übersetzungswissenschaften Teildisziplinen der Theologie, der Interkulturellen Theologie und der Missiologie. Die historische Entwicklung und die gegenseitige Beeinflussung stehen hier im Fokus.

Einführung

Die Wissenschaft zur Bibelübersetzung ist Teil der angewandten Translationswissenschaften. Die Wissenschaft der Bibelübersetzung umfasst den gesamten Prozess der Bibelübersetzung, d.h. (1) den kommunikativen Vorgang beim Übersetzen, (2) das Produkt selbst (z.B. die KJV, GNB, NLT) wie auch (3) die Funktion der Übersetzung (z.B. Theorie, Modell). Ich folge hierbei der Dreiteilung der Kommunikationssysteme von Holmes (1972; siehe auch Toury 1995, 9-14). Diese sich neu etablierende und vielversprechende Wissenschaft befasst sich mit interdisziplinären Ansätzen, politischen Einflüssen, Neuübersetzung versus Revision, Erst- oder missiologischen Bibelübersetzungen und anderen ähnlichen Fragen.

Die Übersetzungswissenschaft als Zweig der Geisteswissenschaften stellt die Frage, ob eine Disziplin, die heute als „Übersetzungswissenschaft“ bezeichnet wird, als ein eigenständiges Gebiet etabliert werden sollte, oder ob sie noch „auf dem Weg“ ist. Die Übersetzungswissenschaft als Teil der angewandten Linguistik ist nach Katharina Reiss und Hans Vermeer (1991, 1) in der Pragmatik angesiedelt. Werner Koller (1978) informiert uns, dass durch die Verortung in der Pragmatik der Fokus der Translationswissenschaftler von der Ebene der Kommunikation im Allgemeinen auf alle Prozesse des „Übersetzens“ und der „Übersetzung“ heruntergebrochen wurde (zit. nach Holmes 1988, 70; Mojola und Wendland 2003, 10-11). Übersetzung wurde von Holmes in die Zweige der (ersten) deskriptiven und (zweiten) angewandten Studien unterteilt. Die erste befasste sich mit konkreten Übersetzungsphänomenen, die zweite mit der Übersetzerausbildung, der Übersetzungskritik und den Übersetzungshilfen. Theo Hermans (1991), Stefano Arduini (2011) und Gideon Toury (1995) betonen, dass innerhalb der deskriptiven Studien eine allgemeine Philosophie des Übersetzens und partielle Theorien zu spezifischen Themen stattfinden.

Übersetzung und Übersetzen

Die Begriffe „Übersetzung“ oder „Übersetzen“ führen heute zu einer Vielzahl von Erklärungen, was Übersetzen in Bezug auf andere verwandte Disziplinen bedeutet. „Übersetzen bildet einen intuitiven und kognitiven Prozess ab, der Gattungen und Texte kulturübergreifend transportiert und produziert und dabei vor allem intentional politisch bleibt“ (Werner 2011, 69). „Texte“ werden dabei in einem weiten Sinne verstanden, der Reden, mündliche Überlieferungen und schriftliche Diskurse einschließlich Erzählungen und Gedichte einschließt. Übersetzung war und ist ein notwendiges Werkzeug für Handel, Wirtschaft und politische Kolonisation.

Die Übersetzungswissenschaft, einschließlich der Bibelübersetzung, steht im Einklang mit der Position des Wissenschaftsphilosophen Thomas Kuhn in seinem bekannten Buch The Structure of Scientific Revolutions (1962). Kuhn argumentiert, dass die normale Wissenschaft auf der Annahme aufgebaut ist, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft weiß, wie die Welt ist. Wissenschaftliche Axiome, wie Überprüfbarkeit, Wiederholbarkeit, Universalität und Quantifizierung, qualifizieren eine Disziplin als wissenschaftlich. Die Betonung liegt bei beiden auf dem Begriff "intuitiv". Früher wurde das Übersetzen als Kunst angesehen. Heute schätzen die Übersetzer, dass sie als akademische Disziplin anerkannt ist. In gleicher Weise verhält sich auch die Wissenschaft zur Bibelübersetzung zu der Wissenschaft des Übersetzens, wobei sie sich langsam zu einer eigenständigen Disziplin entwickelt.

Es finden sich drei grundsätzliche Haltungen hinsichtlich der Thematik Übersetzung: (1) Einige Übersetzungstheoretiker weigern sich, die Übersetzung aufgrund ihres intuitiven Ansatzes zur Wissenschaft zu erklären. Die Leugnung jeglicher erfolgreicher Übersetzungstätigkeit (Steiner 1990, 77-78) sowie das Argument, dass Kommunikation immer und überall stattfindet, wie es in Paul Watzlawicks Axiom "Man kann nicht nicht kommunizieren" (Watzlawick et al. 1993, 53) zum Ausdruck kommt, bringen Verwirrung in die gesamte Diskussion (Baker 2001, 277-80). (2) Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass Übersetzung möglich ist, obwohl ihre Komplexität und interdisziplinäre Natur eine Lokalisierung oder Definition schwierig macht (z. B. Nord 2003, 4). (3) Kulturorientierte Ansätze erklären, dass Übersetzung das ist, was eine Kultur aus ihr macht (Katan 1999, 3-7). Von der Relevanztheorie kommend ist Gutt jedoch skeptisch gegenüber kulturorientierten Ansätzen, da sie zu einseitig seien (2000, 5).

Der deutsche Übersetzungswissenschaftler Wolfram Wilss (1982; 1984) und andere erklären eine Wissenschaft der Übersetzung für fragmentarisch. Der Grund dafür ist das Fehlen einer übergeordneten Metasprache, die notwendig wäre, um die Funktion der Sprache beim Übersetzen objektiv zu erklären. Aber auch ohne das Werkzeug der Metasprache zeigt die Geschichte, dass es möglich ist, die neueren akademischen Übersetzungsaktivitäten, die unter dem Begriff "Translation Studies" zusammengefasst werden, als eine Wissenschaft zu betrachten, genauer gesagt, als die Wissenschaft der Übersetzung.

Wissenschaft zur Bibelübersetzung

Die Idee einer Wissenschaft der Bibelübersetzung wurde erstmals von Eugene A. Nida in seinem bahnbrechenden Werk Toward a Science of Translating with special Reference to Principles and Procedures involved in Bible Translating (1964) vorgestellt. Nidas enorme Anstrengungen zum Thema Bibelübersetzung (mehr als 400 Artikel und Bücher) werden hoch geachtet, wenn auch manchmal kritisch gesehen (z. B. Gentzler 2001, 57, 59; Nichols 1996). Trotz der Bemühungen Nidas ist die Wissenschaft der Bibelübersetzung als aufstrebender Zweig der akademischen Arbeit in der theologischen und missiologischen Lehre und Praxis noch nicht voll gewürdigt worden (Werner 2011). Eine Ausnahme bilden einige wenige Missiologen, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigen (Walls 1990; 2005; Sanneh 1992).

Der Einfluss der Bibelübersetzung als Wissenschaft wird jedoch in der Bedeutung des andauernden "Jahrhunderts der Bibelübersetzung" deutlich, wie die aktuelle Epoche in der Missiologie von Harry Orlinsky und Robert Bratcher (1991) genannt wurde. Die wissenschaftliche Bedeutung der Bibelübersetzung wird in Werken wie The Cambridge History of the Bible (1989), A History of Bible Translation and the North American Contribution von Orlinsky und Bratcher (1991) und A History of Bible Translation, herausgegeben von Philip Noss (2011, 1-25), deutlich.

Die Wissenschaft der Bibelübersetzung stellt einen einzigartigen interdisziplinären Ansatz dar und integriert eine Vielzahl von Disziplinen, die zum Übersetzungsprozess beitragen, darunter Theologie, Missiologie, Linguistik, Anthropologie, Sozialwissenschaften und Psychologie sowie Kognitions- und Kommunikationswissenschaften. Dies zeigt die Vielschichtigkeit der Forschung und die wissenschaftliche Fähigkeit dieser Disziplin als Schnittstelle zwischen einer Reihe von Disziplinen.

Die Hebräische Bibel weist auf die Bedeutung der Übersetzung im politischen Bereich, z. B. in der Erzählung von Josefs Brüdern, die während einer Hungersnot nach Ägypten kamen, um Nahrung zu suchen (Gen 42,23), und im Bericht über die Bedrohung König Hiskias durch den assyrischen Herrscher Sennacherib (2 Kön 18,26-28). In Esra 4,7 wurde die Übersetzung eines Briefes ins Aramäische notwendig, da der König von Persien diese Sprache benutzte, um mit den Bewohnern Judäas zu kommunizieren. Die Macht der Übersetzung zeigt sich auch, als Daniel die geheimnisvolle Schrift an der Wand für den babylonischen König Belsazar deutete, eine Leistung, die ihn in die dritte Position des Königreichs aufsteigen ließ (Dan 5,25-28).

Nach der klassischen Ära und den frühen Kirchenvätern (z. B. Augustinus, Hieronymus und Gregor der Große), die sich für die Übersetzung interessierten, erlangte die Übersetzungstheorie erst in der Renaissance im Westen kulturelle und kirchliche Bedeutung. Leonardo Bruni war ein italienischer humanistischer Übersetzer aus dem 14. und 15. Jh., durch den die theoretische Diskussion über Texttreue gegenüber dem Original und formaler Äquivalenz entstand (Robinson 2002, 57-59). Im 17. Jh. präsentierte Dryden seine Wiederbelebung der antiken Dreiteilung der Übersetzung als Wort-für-Wort-, Sinn-für-Sinn- und "freie" Übersetzung.

Kirche und Muttersprache

"Die Kirche" wird hier verstanden, als die globale und lokale Repräsentation des unsichtbaren und vielfältigen Leibes der Gläubigen, die das Reich Gottes in seiner menschlichen Gestalt verwirklichen (Markus 4, 26-32 Gleichnis vom wachsenden Samen). Bibelübersetzung trägt effektiv zum dynamischen Wachstum und zur Entwicklung der globalen Kirche, d.h. des Leibes Christi, bei, sowohl durch Erstübersetzungen für nicht alphabetisierte oder nicht-christliche Kulturen als auch durch Revisionen und zielgruppenspezifische Neuübersetzungen für Kulturen mit bestehenden Bibelübersetzungen. Die Ausrichtung der Bibelübersetzung auf muttersprachliche und homogene ethnische Einheiten, die eng miteinander verbunden sind, kontextualisiert die Bibel in einer zunehmenden Anzahl von Kulturen und kulturellen Einheiten, was zu einer ständigen Vermehrung von Bibelübersetzungen führt. Die Fokussierung auf Mikrokulturen und kleinere sprachliche Einheiten hat Argumente hervorgerufen, die die Einheit der Kirche bedrohen, weil es keinen einheitlichen liturgischen Text gibt. Die Vulgata für die römisch-katholische Kirche und die King James Version (KJV) für die englischsprachigen Protestanten sind Beispiele für diesen Einheitsfaden. Als Folge dieser Tendenz entstehen häufig Debatten über die "richtige", "autorisierte" oder "inspirierte" Bibelübersetzung, wie Orlinsky und Bratcher (1991; siehe auch Glassman 1965) zeigen.

Die sprachliche Anpassung des biblischen Textes an Mikrokulturen und der muttersprachliche Ansatz haben sich für die Enkulturation der biblischen Botschaft sowohl in Erst- und Neuübersetzungen als auch in Revisionen als wesentlich erwiesen. Die Ablösung des Akkommodationsprinzips in der missionarischen Erschließungspraxis der Jesuiten während der katholischen Gegenreformation im 16./17. Jh., durch die Methoden der Kontextualisierung, die sich in der modernen Erschließungsbewegung des 19. Jh. durchsetzten (Latourette 1937, xv), ist ein Beispiel für die Hinwendung zum heutigen Ansatz der Kontextualisierung. Diese Bewegung zeigt die Gefahr des Kolonialismus oder des Missbrauchs von Macht als politischem Faktor in der Bibelübersetzung auf. Kolonialismus wird durch Formen der Enkulturation verursacht, die nicht direkt von der einheimischen Volksgruppe abgeleitet sind. Dies ist im Hinblick auf politische, ideologische und soziologische Themen wie Minderheiten-, Rassen- und Geschlechterdiskriminierung zu erwarten. Die moderne Kirche muss solchen Tendenzen entgegentreten und eine enge und umfassende Partnerschaft mit den ethnischen Gruppen eingehen, denen sie durch Übersetzung zu dienen sucht.

Ethik

Macht wird in der Übersetzung durch den Übersetzer und den Auftraggeber ausgeübt und wirkt sich sowohl auf den Originaltext und den übersetzten Text, als auch auf den Hörer oder Leser aus. Daher erfordert der Status des Übersetzers als professioneller Praktiker eine Ethik und klar definierte Grenzen der Prozesse. Beides ist in funktionalen Ansätzen zentral, wie es im sogenannten "Hieronymischen Eid" (Chesterman 2001) zum Ausdruck kommt. Auch Steiner (1990) fordert eine hohe Ethik der interkulturellen Kommunikation, da der Übersetzer zwischen seiner Kultur und der Sprache des Zieltextes vermittelt. Der Übersetzer fungiert als "Kulturvermittler", der auf dem Zaun der Kulturen sitzt, hier verstanden als dynamische soziale Einheiten, die am Übersetzungsprozess beteiligt sind (vgl. Ronald Taft 1981; David Katan 1999). Allgemeine ethische Voraussetzungen der Übersetzungswissenschaft finden sich in den Prinzipien der Treue zum Text, der Adaption und der Verständlichkeit wieder. Internationale allgemeine und spezifische Normen zur Übersetzungsethik werden nicht nur von Sprach- und Übersetzungsverbänden, sondern auch von Lawrence Venuti (1998a) und Denis McQuail (2007, 174, 180-81, 185-86, 192) sowie durch die Forderung des "Loyalitäts"-Prinzips zwischen dem Originaltext und der Übersetzung sowie den beteiligten Parteien (Nord 2004) formuliert.

Bibelübersetzung - Introspektion und Extrospektion

Die Wissenschaft der Bibelübersetzung kann sowohl durch Introspektion als auch durch Extrospektion betrachtet werden. Ersteres bezieht sich auf Beweise aus der Bibelübersetzung selbst, während letzteres sich auf Übersetzungsbeweise bezieht, die von der Wissenschaft im Allgemeinen geliefert werden und ihre akademische Bedeutung demonstrieren. Wir müssen uns vor Augen halten, dass die Bibel, wie dies von Gläubigen angenommen wird, als deren göttliche Offenbarung gilt. Dies impliziert dreierlei, sowohl einen theozentrischen Ansatz für die Hebräische Bibel, einen christozentrischen Ansatz für das Neue Testament als auch einen anthropozentrischen Ansatz und geht damit über den wissenschaftlichen Rahmen der Übersetzungswissenschaft hinaus. Während die Theozentrik und die Christozentrik zur theologischen und missiologischen, also internen Evidenz wie in der Bibelwissenschaft tendieren, weist die Anthropozentrik auf die externe Evidenz hin, also den Ansatz des menschlichen Verständnisses der göttlichen Kommunikation, der sich mit der Bibelübersetzung von außen beschäftigt.

Interne wissenschaftliche Evidenz in der Bibelübersetzung

Interne Evidenz ist diejenige Evidenz, die von der Bibel selbst als einem antiken Meisterwerk literarischer Gattungen, u. a. Prosa, Poesie und Erzählung, gegeben wird und als Übersetzung aufgrund ihrer Einzigartigkeit als literarisches Werk eine eigene Gattung darstellt (z. B. die Übersetzungstradition um die King James Version). Die Bibel selbst begründet die Notwendigkeit ihrer Übersetzung mit (1) den theologischen Prinzipien der bibelinternen Übersetzungsarbeit, (2) dem Erfordernis der Inspiration und (3) der kontinuierlichen Linie der Heilsgeschichte als globale (religiöse) Botschaft an die Menschheit.

Erstens enthält die Bibel reiche Belege für Übersetzungsaktivitäten (z. B. Gen 42,23; 2 Kön 18,26-28; Hes 4,7.18; Dan 5,6-7). Zweitens behauptet die Bibel ihre Inspiration (Hiob 32,8; Prediger 4,12; 2 Tim 3,16; 2 Petr 1,21) und ihre Autorisierung durch einen göttlichen Autor (Jes 55,11; Jer 1,12; Joh 5,24; Offb 3,8; 22,18-20). Drittens enthält die Bibel eine einzigartige religiöse Heilsgeschichte, die den kommunikativen Akt der Bundestheologie darstellt, der Gott und die Menschheit verbindet (z.B. Noah in Gen 9,9-17, Abraham in Gen 15,18, David in 2 Sam 7 und die Kirche in Gal 3,15-29). Dies kommt im Konzept des Reiches Gottes oder der Bundestheologie zum Ausdruck, die die Übersetzungsaufgabe motiviert (z. B. die jüdische Diaspora als Motivation für die LXX-Übersetzung). Solche theologischen Verständnisse führten nachfolgende Generationen von Bibellesern dazu, die Hebräische Bibel zusammen mit dem Neuen Testament zu übersetzen. Ein frühes Beispiel für diesen Schritt war die von Hieronymus ins Lateinische übersetzte Bibel, die sowohl die Hebräische Bibel als auch das Neue Testament enthielt.

Das Fehlen der Originalmanuskripte verhindert, dass wir einen direkten Einblick in die ursprüngliche göttliche Sprache oder die Kommunikationsprinzipien erhalten, die Gott mit den alttestamentlichen Patriarchen und Propheten verwendete oder die Jesus mit seinen Aposteln benutzte. Die Hebräische Bibel verwendete Hebräisch und teilweise Aramäisch (2 Kön 18,26; Jes 36,11; Jer 10,11; Dan 2,4-7.28; Esra 4,8-6,18; 7,12-26), während das Neue Testament in Koine-Griechisch, einem umgangssprachlichen Verkehrsidiom, aufgezeichnet wurde.

Die Sprachen des täglichen Lebens wurden benutzt, um göttliche Offenbarungen niederzuschreiben, die durch die direkte Ansprache von Menschen ("Ich bin dein Gott", Exod 3,6; Hes 34,31), in Visionen (Hes 8,5) und in Träumen (Gen 40,16) gegeben wurden. Die göttliche Offenbarung wurde auch indirekt gegeben, z. B. durch Propheten ("der Herr sprach zu mir", Jer 11,6; Hebr 1,1-2), durch die Schrift (Exod 32,16) oder durch Boten (1Mo 16,9), Apostel (1Petr 1,1) oder gewöhnliche Menschen (Joh 4,39).

Der kirchliche Codex - interne und externe Funktionen

Die Bibel erfüllt sowohl interne als auch externe Funktionen für die Kirche. Intern stellt die gesamte Bibel, einschließlich der Hebräischen Bibel und des Neuen Testaments, das kanonische Recht für die Kirche dar. Der ethische und strukturelle Codex der Kirche als Darstellung des Reiches Gottes ist darin impliziert und bedarf der Interpretation durch die Leser (z.B. Glaubensbekenntnisse; Dogmatik). Die Kirche kann als das lebendige Ergebnis des physisch übertragenen, also übersetzten, göttlichen Wortes gesehen werden, das die Bibel repräsentiert. Nach außen hin legitimiert sie die Autorität, die der Kirche durch die mündlichen und schriftlichen Überlieferungen über den Messias verliehen wird. Solche werden in der Hebräischen Bibel vorausgesagt (z.B. Jer 53), deren Worte und Taten von den Christen als Kulmination im Neuen Testament verstanden wird. Soziale, politische und andere nach außen gerichtete Aktivitäten der globalen und lokalen Kirche oder der Jünger werden durch dieses "Verfassungs"-Dokument gerechtfertigt.

Der Mensch, so würde die Kirche behaupten, ist dafür verantwortlich, innerhalb des von der Bibel vorgegebenen Rahmens zu handeln. Sie wird vom Heiligen Geist interpretiert, der über die Prozesse wacht, die zur inneren Stärkung der Kirche führen, indem er zum Beispiel Wachstum und Vitalität gewährt und Schutz vor äußeren Einflüssen wie Häresie und Radikalismus bietet. Auch wenn die Bibelübersetzer bei der Übersetzung ihr Bestes geben, müssen sie - wenn sie Christen sind - und die Kirche (d.h. die Leser) auf die Wirksamkeit des Heiligen Geistes vertrauen. Das heißt, der Heilige Geist wird die übersetzte Schrift als Kodex und Kanon in Bezug auf ihre göttliche Absicht und ursprüngliche Bedeutung bewahren, auch wenn eine Bibelübersetzung außerhalb des konfessionellen Denkens liegt, wie z. B. der antijudaistische Ansatz von Marcion von Sinope (85-160 n. Chr.). In diesem Kontext ist die Wissenschaft der Bibelübersetzung aufgefordert, aktive Verantwortung für die Übertragung des Lebens und der Taten ihres göttlichen Objekts von einem kulturellen Sprachhintergrund in einen anderen zu übernehmen, ohne dass dabei implizite oder geistliche Informationen verloren gehen (siehe Mt 28,18-20, Lk 10,3 und Joh 20,21).

Äußerer wissenschaftlicher Nachweis der Bibelübersetzung als Wissenschaft

Die Bibel gehört zu einer Kategorie von Texten, die zunächst aus mündlichen Überlieferungen stammen und später als schriftliche Dokumente fixiert und übersetzt wurden. Die Wissenschaft der Bibelübersetzung ist aufgrund des Fehlens einer Metasprache auf die menschliche Sprache beschränkt. Eine solche wäre für eine objektive Wiedergabe der menschlichen Kommunikation notwendig (Wierzbicka 1996, 6). Da ein solches sprachliches Werkzeug außerhalb der menschlichen Möglichkeiten liegt, sollen der biblische Text, sein Kontext und seine Implikationen so objektiv wie möglich von Sprache zu Sprache weitergegeben werden. Metaphysische und göttliche Informationen werden in menschlichen Sprachen übertragen. Dies steht im Gegensatz zum islamischen Konzept der "Inlibration" ("in einem Buch sein"), bei dem das göttliche Wort direkt in arabischer Sprache in einer schriftlichen und manifestierten Form von oben offenbart wurde. Solch ein Verständnis lässt eine Übersetzung nicht zu.

Modelle und Prinzipien der Kommunikation und Übersetzung

Im Bereich der Bibelübersetzung werden von den Bibelübersetzern aufkommende Kommunikations- und Übersetzungsmodelle verwendet oder können ihnen zugeschrieben werden. Ein Ansatz ist in diesem Zusammenhang das wörtliche Modell, das sich bereits früh in den Anfängen der Übersetzung findet. Verteidigt von Charles Turner (2001), wird dieses Modell durch die sehr formale wörtliche Wiedergabe der Darby-Bibel (1997) repräsentiert. Der Mangel an semantischer Synonymie und die Ablehnung der konkordanten Vorgehensweise bei dieser Methode führte jedoch zur Entwicklung des dynamischen Äquivalenzansatzes. Eingeführt von Eugene Nida (TASOT 1964), wurde er mit Charles Taber (TAPOT 1969) auf die Bibelübersetzung ausgeweitet und mit Jan de Waard (FOLTA 1986) zur funktionalen Äquivalenz weiterentwickelt. Die Gute Nachricht Bibel/ Good News Bible (GNB) wurde im Lichte dieses neuen Modells herausgegeben (1976). Die Reichweite der Äquivalenz innerhalb der Wissenschaft der Bibelübersetzung wurde von den SIL-Übersetzern John Beekman und John Callow (1974) und Mildred Larson (1984) erweitert und bekannt gemacht.

Seit den 1970er Jahren wurden die Unzulänglichkeiten der "Äquivalenz" kritisiert, da sie in der Übersetzung nie wirklich erreicht werden kann und nicht überzeugend messbar ist (z. B. Gentzler 2001, 57, 59; Pym 2010a, 38, 42; für die Bibelübersetzung allgemein Nichols 1996). Dies führte zum Skopos-Ansatz und den davon abgeleiteten Funktionsmodellen der deutschen Wissenschaftler Katharina Reiss und Hans Vermeer (1991) sowie Christiane Nord (2003; 2005). Nord, eine sprachwissenschaftliche Übersetzerin, übersetzte zusammen mit dem Theologen Klaus Berger das NT ins Deutsche (Berg und Nord 1999) und verwendete dabei ihren funktionalen Ansatz. Dieses Modell ist auch in Südafrika populär geworden, wo es für die Übersetzung der Heiligen Schrift ins Afrikaans verwendet wurde (van der Merwe 2003).

Die Neigung der Übersetzungsmodelle zur Linguistik und die Wiederentdeckung der gut reflektierten Sapir-Whorf-Hypothese in der Übersetzungstheorie (ursprünglich 1948) führten zu kulturellen Modellen (Katan 1999). Hierbei rückte die Beachtung der interkulturellen und kulturübergreifenden Ansätze der Bibelübersetzung in den Fokus, wie sie von Robert Bascom (2003) und dem früheren Drei-Kulturen-Muster von Nida (1990) aufgezeigt wurden. Andere Konzepte, die sich auf die Arbeit von Viggo Søgaard (1993) und Denis McQuail (2007) beziehen, finden sich in Modellen der Massenkommunikation sowie in der Relevanztheorie (RT). Letztere stellt einen kognitiven Rahmen für die Bibelübersetzung dar und baut auf den Erkenntnissen von Dan Sperber und Deirde Wilson (1995) auf und wurde von Ernst-August Gutt (2000) für die Übersetzung und Bibelübersetzung eingeführt.

Ein neuerer Trend in der Bibelübersetzung weist auf die Adaption von gemischten Übersetzungsmodellen hin. Diese basieren auf verschiedenen Theorien, passen sich an theoretische Bezugsrahmen an und grenzen grundlegende Bestandteile aus, wie Paul Newmark (1988), W. K. Winckler und Christo van der Merwe (1993), Timothy Wilt (2003) und Ernst Wendland (2006; 2008) zeigen. Die Ausbildung von Bibelübersetzern als multikulturelle und intuitive Dolmetscher, Kulturvermittler und als Exegeten erfordert eine flexible Anwendung dieser Übersetzungs- und Kommunikationsmodelle in Bibelübersetzungsprojekten. Die ethische Verantwortung des Übersetzers besteht nicht nur gegenüber dem göttlichen Text und der göttlichen Quelle, die hinter dem Text steht, sondern auch gegenüber dem Beruf des Übersetzers, der Kirche und den fördernden (christlichen) Übersetzungsorganisationen sowie dem Publikum, der Leser und ihrer muttersprachlichen Kultur.

Geschichte der Bibelübersetzung und das Inkarnatorische Übersetzungsprinzip

Die Bibelübersetzung, wie wir sie kennen, begann um 250 v. Chr. mit der Übersetzung der jüdischen Schriften (Hebräische Bibel) ins Griechische, was zu einem Text führte, der als Septuaginta bekannt wurde. Dieser Text diente sowohl den Juden, deren Hauptsprache Griechisch war, als auch der ethnisch vielfältigen frühen christlichen Gemeinde (siehe Apostelgeschichte 2,7-11 als Beweis für diese Vielfalt). Nicht lange nach der Kreuzigung Jesu wurde es für die christliche Gemeinde wichtig, die mündlichen Überlieferungen, die über das Wirken, das Leben und die Lehren Jesu kursierten, zu übersetzen und festzuhalten. Bis zum heutigen Tag ist die theologische Bedeutung der Inkarnation zentral für Christen. Die neutestamentlichen Schriften, die von der Kirche zu dieser Zeit aufgezeichnet und weitergegeben wurden drücken dies aus. Wir finden das Wort, das Fleisch wurde (Joh 1,1-5.15-16); der Messias, der seinen Platz als einem göttlichen Privileg verließ, um Leben zu schenken ("Herablassung", Joh 6,33-35); und die Selbstentäußerung Christi (Kenosis, Phil 2,7), Die Kirche und ihre Bibelübersetzungen sollten von Beginn an ein inkarnatorisches Übersetzungsprinzip beinhalten und zu einem theologischen Standardverständnis entwickeln. Die Bibelübersetzung entwickelte und förderte aktive Methoden zur globalen Verbreitung christlicher Gotteskommunikation und akkumulierte so ein immenses Feld übersetzerischer Erfahrung (vgl. z.B. Walls 2006; Werner 2011, 281-94). Diese Ausbreitung begründete die Produktion von Erst- und neuen Bibelübersetzungen für Nichtchristen, Nichtliteraten, Behinderte und andere spezielle Zielgruppen sowie Revisionen alter Versionen für zeitgenössische Zielgruppen (z. B. KJV > NKJV; ASV > RSV > NRSV).

Die Geschichte der Bibelübersetzung zeigt auch, dass die römisch-katholische Kirche vor der Gründung der Textkritik einen autorisierten liturgischen Text namens Vulgata ("Volkssprache") einführte. Sie war über mehr als tausend Jahren eine der einflussreichsten Bibelübersetzungen. Die Notwendigkeit, einen Grundtext der Bibel zu etablieren, führte zur Entwicklung des UBS Greek New Testament (zuletzt 5. rev. ed.; Nestle-Aland 28. ed. 2012) und der Biblia Hebraica Stuttgartensia (4. ed.). Diese kritischen Texte sind ein wichtiger Teil des Beginns der modernen Ära der Bibelübersetzung. Durch die Etablierung dieser Texte sind die statischen liturgischen Fassungen für die Übersetzung zweitrangig geworden, denn die aktuelle Bibelwissenschaft bezieht sich auf GNT und BHS sowie die noch in Arbeit befindliche Biblia Hebraica Quinta (BHQ). Das von der Alten Kirche umgesetzte Prinzip der inkarnatorischen Übersetzung öffnet den Weg sowohl zu kontextualisierten und kommunikativen Bibelübersetzungen als auch zur wörtlichen Wiedergabe, aber immer mit dem Fokus auf das tatsächlich gesprochene Idiom von Volksgruppen oder Mikrokulturen.

Ausbildung von Bibelübersetzern – Trigger-Theorien

Die Ausbildung von Übersetzern an Universitäten, privaten Organisationen und in anderen Ausbildungsstätten dient sowohl als Testfeld für Theorien und Modelle als auch als Nährboden für neue Konzepte. Die meisten Ausbildungen im Bereich der Bibelübersetzung basieren immer noch auf dem Ansatz der dynamisch-funktionalen Äquivalenz. Dieser Ansatz erweist sich als universell einsetzbar. Oft wird er nicht einmal als erkenntnistheoretischer Hintergrund anerkannt, wie Yri (2003, 188-203), Pym (2007, 195-215) und Werner (2011, 198-204) zeigen. Funktionale Modelle finden in der globalen Übersetzerausbildung noch wenig Anerkennung. Funktionale Ansätze sind offensichtlich in europäischen, hauptsächlich deutschen, Ausbildungseinrichtungen auf Universitätsniveau (z. B. Universität Magdeburg) stärker vertreten, mit einem gewissen Einfluss in ost- und südafrikanischen Zentren. Die Ausbildung zu Übersetzungsprinzipien in der Relevanztheorie steht noch am Anfang, und obwohl die Ausbildungskurse von SIL International zunehmen (H. Hill 2008; H. Hill et al. 2011), ist der weitere Einfluss der RT in der Übersetzungswissenschaft noch nicht gesichert.

Bewertung der Übersetzungsqualität

Seit ihrer Entstehung diskutieren Wissenschaftler der "Wissenschaft der Übersetzung" über die Verbesserung bzw. Qualität ihres Produkts. In der Literatur führte dies zu dem Ausdruck "Qualitätsbeurteilung" der Übersetzung. Wie Baker (2001, 277-80) vorschlägt, betrifft die Diskussion über Qualität den Prozess, das Produkt und die Funktion der Übersetzung als Wissenschaft. Die Frage stellt sich aufgrund der intuitiven und künstlerischen Voreingenommenheit der Übersetzung; als Gegengewicht wird daher nach objektiven wissenschaftlichen Methoden zur Qualitätssteigerung gefragt. Nida war darüber in der Bibelübersetzung besorgt (1964, 3-5), und Steiner im Allgemeinen (2004) beide verkündeten ihre Notwendigkeit aus sprachphilosophischen Gründen. Katharina Reiss (1971) und Juliane House (1977) legten in ihren bahnbrechenden Arbeiten das theoretische Fundament der Qualitätsbewertung, und Peter Newmark (1988) propagierte ihre Notwendigkeit. Wie von Nord beobachtet, wurde nur in funktionalen Ansätzen ein vollständiges rekursives Rückkopplungsmodell geliefert (Nord 2003, 37-39). Die Bewertung der Übersetzungsqualität wird zum Bestandteil des Übersetzungsprozesses. Sie kann von außerhalb des Übersetzungsteams durch Rückübersetzungen einbezogen werden, die mit Beratern besprochen werden, oder von innerhalb des Übersetzungsteams durch rekursive Verfahren, bei denen das Team zurückgeht und den Übersetzungsprozess an bestimmten Punkten neu startet, nachdem es über die Probleme der Übersetzung reflektiert hat. So oder so fließen die Ergebnisse in einen nachfolgenden Übersetzungsversuch ein. Donald Kiraly (2000) entwickelte den sozial-konstruktivistischen Ansatz, um die Fähigkeiten und das Wissen der Übersetzer durch teambasierte Diskussionen für jeden Schritt der Übersetzung zu erhöhen.

Trotz des Anspruchs, jede Reflexion während der Qualitätsbeurteilung in die nachfolgende Übersetzung einzubeziehen (z. B. House 1977, 7, 23, 246), wird die Qualitätsbeurteilung von Übersetzungen für ihre Unzulänglichkeit in Bezug auf die komplexen, aber unkontrollierbaren kognitiven Anstrengungen der Übersetzer kritisiert, wie Koller (1978, 90, 92, 105-106) betont hat und wie auch Venuti (2008, 4, 50, 125) anmerkt.

Das Mandat für die Bibelübersetzung als Wissenschaft

Die innere und äußere Evidenz, die durch die Dreiteilung der Bibelübersetzung als Produkt, Prozess und wissenschaftliche Funktion gegeben ist, begründet zusammen mit dem inkarnatorischen Übersetzungsprinzip und seinem interdisziplinären Ansatz die Wissenschaft der Bibelübersetzung als eine epistemologische und intuitive Disziplin. Die vom französischen Philosophen Paul Ricoeur (1984-88) und dem deutschen Gelehrten Hans-Georg Gadamer (1989) eingeführte hermeneutische Erkenntnisspirale, die sowohl in der Theologie als auch in anderen Wissenschaften Anwendung findet, dient der Bibelübersetzung zur Beschreibung von Kommunikationsprozessen in einem Übersetzungsprojekt. Ausgehend von einer Vielzahl möglicher Übersetzungsmethoden führt die Beziehung zwischen dem Projektleiter als Auftraggeber gegenüber dem/den Bibelübersetzer(n) und dem Originalpublikum gegenüber der Zielgruppe, also dem Leser oder Hörer, zu einer wechselseitigen Beeinflussung, die auf sprachlichen, kulturellen und soziologischen Faktoren beruht. Daher geht das Eigentum an einer Bibelübersetzung als Produkt vom Initiator auf die Zielgruppe über, z. B. bei crowd-sourced Internet-Übersetzungsprojekten wie der deutschen Volxbibel (initiiert um 2000 von Martin Dreyer).

Im Laufe der Entwicklung der Wissenschaft der Bibelübersetzung hat sie ihre erkenntnistheoretische Grundlage verfeinert und ihre historische Basis geklärt. Sie hat auch die Rolle und Ausbildung des Bibelübersetzers und eine klarere Position zu seiner Einordnung in die Pragmatik initiiert. Ebenso hat diese Wissenschaft die Funktion der Bibel als heilige Literatur und die Notwendigkeit einer engen interdisziplinären Zusammenarbeit mit der Übersetzungswissenschaft und anderen unterstützenden Disziplinen erkannt. Solche Grundlagen unterstützen ihre Fruchtbarkeit für die Kirche weltweit, indem sie sich auf das Sendungshandeln Jesu (Mt 28,18-20) beziehen, sowie ihre fortschreitende Weiterführung innerhalb der Wissenschaft.

            Fasst man diese Argumente zusammen, gibt es starke Belege für einen Auftrag zur Bibelübersetzung für die Kirche. Die weltweite Kirche beschleunigt - gewollt oder ungewollt - die entstehende Wissenschaft der Bibelübersetzung, indem sie ein zentrales Tor für die göttliche Kommunikation mit der Menschheit bereitstellt und eine Schnittstelle zwischen den Kulturen bietet.

Zusätzliche Lektüre: Shaw und van Engen 2003; Smalley 1991; Werner 2014