Internationale Tagung: Disability Studies und Interkulturelle Theologie: Grundlagen – Fallbeispiele – Ethische Implikationen

  • Posted on: 2 March 2021
  • By: redakteur

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1 Darstellung der wissenschaftlichen Zielsetzung der Veranstaltung

 

Die Tagung Disability Studies und Interkulturelle Theologie: Grundlagen – Fallbeispiele – Ethische Implikationen findet vom 02.09 - 03.09.2021 in Frankfurt im Haus am Dom statt. Sie wird veranstaltet von Dr. Katharina Peetz und Dr. Eberhard Werner, die in dem ökumenischen Netzwerk Disability Studies und Interkulturelle Theologie kooperativ verbunden sind. Im Rahmen der Netzwerkarbeit erscheint im März 2021 ein von Eberhard Werner und Samuel Groß herausgegebener Sammelband mit dem Titel Von Barmherzigkeit und Ausgrenzung: Transkulturelle Diskurse der Disability Studies in der Interkulturellen Theologie, der erste inhaltliche Impulse für die Tagung setzt (Werner/Groß 2021).

 

2 Darstellung der Bedeutung der Veranstaltung für die beteiligten Fachgebiete

 

Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen werden durch kulturelle, soziale sowie kontextuelle Faktoren „behindert“. Sie machen die Erfahrung, dass ihre Existenz nicht einfach fraglos gegeben ist. „Musste das sein?“ ist etwa eine Anfrage, die gerade Eltern von Kindern mit Trisomie-21 oft hören. Mit Beeinträchtigung(en) zu leben, meint häufig auch, Ausgrenzung und Diskriminierung zu erfahren und gerade dadurch behindert zu werden: Das kann die Treppe sein, die mit Rollstuhl nicht zu bewältigen ist, das kann aber auch die Begegnung mit Menschen sein, die ihre Berührungsängste und Vorurteile offen zeigen.

Menschen mit Behinderung(en) machen in unterschiedlichen Kulturen solche Diskriminierungserfahrungen. Vor allem in afrikanischen Ländern wie Nigeria gilt die Geburt eines Kindes mit Beeinträchtigung(en) als große Schande, Fluch oder Strafe Gottes (Peetz 2021). In Deutschland sind wiederum gerade Menschen mit schweren, mehrfachen Beeinträchtigungen kaum im öffentlichen Raum präsent. Ihr Platz scheint klar definiert zu sein: in Pflegeeinrichtungen, aber nicht am Badesee oder im Restaurant. So ist zum Beispiel ein Besuch einer Regelschule für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen und deren Eltern mit einem enormen persönlichen Einsatz verbunden. Auch die Fahrt im öffentlichen Personennahverkehr bedarf besondere Anstrengungen und ist mit einem erhöhten Planungsaufwand verbunden. Das Gleiche gilt auch für Flugreisen oder die Teilnahme an Tagungen und Kongressen.

Die beantragte Tagung verfolgt vor diesem Hintergrund das Ziel, die Bedeutung der bis dato kaum rezipierten Disability Studies (DS) für die Interkulturelle Theologie im interdisziplinären Austausch (Theologie, Medizin, Philosophie, Sozialpädagogik) zu diskutieren. Dabei werden zuerst Grundlagen der beiden Themenfelder Interkulturelle Theologie sowie Disability Studies beleuchtet. Darauf aufbauend wird das Verhältnis von DS und Interkultureller Theologie durch die Betrachtung einzelner Fallbeispiele konkretisiert. Abschließend werden ethische Implikationen aus theologischer Sicht zum Umgang mit körperlichen und mentalen Einschränkungen im interkulturellen Kontext gezogen. Die ReferentInnen beleuchten das Verhältnis von Interkultureller Theologie und DS aus verschiedenen Perspektiven und nehmen dabei unterschiedliche geographische Kontexte (Deutschland, Großbritannien, Schweiz oder Zimbabwe) in den Blick. Sie leben selbst mit Behinderung(en) oder haben lange auf dem Gebiet der DS geforscht.