Disability Studies - Ein Überblick aus (interkulturell) theologischer Perspektive

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Disability Studies - Ein Überblick aus (interkulturell) theologischer Perspektive

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Abstrakt

Theologische Modelle und Ansätze zu den Disability Studies sind seit spätestens Newbigin (UK; 1979), Eiesland (USA; 1994) und Bach (Deutschland; 2006) in breitem Maße vorhanden. Gleichzeitig haben sich in anderen Disziplinen, wie der Sozialforschung, der Anthropologie, der Medizin oder den Queer Studies und zunehmend auch in den Politikwissenschaften Ansätze entwickelt. Schlusslicht ist im Moment die Interkulturelle Theologie, die sich erst langsam der Thematik annähert und aus postkolonialer Sicht die Historie der christlichen Diakonie in der transkulturellen Begegnung aufzuarbeiten hat. Auch fehlen eigene hermeneutische Vorschläge zur inklusiv-orientierten Kirche unter dem Gesichtspunkt „Einheit in Vielfalt“ und Diversität als Spiegelbild des Reiches Gottes.

Inhalt

Einleitung – Vom „Ich“ und „Die“ zum gemeinsamen „Wir“. 1

Disability Studies – Forschungsbereiche. 2

Disability Studies – Hermeneutische Ansätze in der (Interkulturellen) Theologie. 3

Theologie des Leidens versus Differentialität und Konvaleszenz. 5

Ethische Konsequenzen der Diversitäts-orientierten Kirche. 6

Pränatale Seelsorge – Abwägung der Rechte und Pflichten zum ungeborenen Leben – Imago Dei 6

Abwägung – Eltern- und Mutterrecht, ungeborenes Kindesrecht. 6

Praxis pränataler Seelsorge. 7

Abwägung Leihmutterschaft – Adoption und Pflege. 7

Abwägung Lebensumfeld der Eltern. 8

Kirchliche Inklusion – Einheit in Vielfalt – Herausforderungen und Gewinn. 8

Bibliographie. 9

 

Einleitung – Vom „Ich“ und „Die“ zum gemeinsamen „Wir“

Inklusion, Teilhabe und Teilnahme aller gesellschaftlichen Gruppen am öffentlichen Meinungsbild bilden die Grundlage einer demokratischen und Vielfalt-orientierten Gesellschaft. Personen mit mentalen und physischen Herausforderungen benötigen dabei der Hilfe durch solche ohne Einschränkungen. Im Gegenzug bereichern und ergänzen sie die Forschung rund um die gesellschaftliche Diversität durch ihre eigenen biographischen Erfahrungen. Die Lebenswelten von Forschern mit mentalen und physischen Herausforderungen bieten der Wissenschaft in allen Lebensbereichen eine Perspektive, welche eine gesamthumanistische Repräsentation darstellt. Der bisherige, als paternalistisch zu bezeichnende Verzicht auf die Perspektive von Personen mit mentalen und physischen Herausforderungen in der Wissenschaft sollte der Vergangenheit angehören. Das „Ich“ und „Die“ sollte einem „Wir“ weichen, welches bereit ist gesamtperspektivisch auf die Forschungsprojekte zu blicken. Die „Normalität“ verschiebt sich an diesem Punkt auf Menschen hin, die Teil der Gesellschaft sind und gerade in ihrem „Anders-Sein“ die Gesellschaft bereichern und zur Inklusion bzw. sozialen Unterstützung herausfordern. Das gegenseitige Geben und Nehmen in diesen Prozessen ist anstrengend und fällt dem zur Bequemlichkeit geneigten Menschen nicht zu. Dies gilt auch für die Menschen mit mentalen und physischen Einschränkungen, die sich nicht auf ihrer Marginalisierung ausruhen sollten sondern proaktiv, ihren Bedürfnissen entsprechend, die Unterstützung der Gesellschaft einfordern müssen.

Erst im Miteinander entsteht auf gleicher Augenhöhe ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Auch die wissenschaftliche Forschung in Theologie und Missiologie muss sich diesem inklusiven Ansatz stellen, will sie nicht einseitig und paternalistisch sondern dynamisch und gesellschaftsrelevant bleiben.

Disability Studies ermöglichen es Forschern mit und ohne Einschränkungen über missiologisch-theologische Fragestellungen gemeinsam zu diskutieren und biblische Inhalte aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Dabei sollte die Debatte um ein brückenschlagendes Miteinander der Forscher mit und ohne körperliche oder mentale Einschränkungen schon deshalb überflüssig sein, da obwohl die Lebensrealitäten beider Gruppen unterschiedlich sind, eine Kooperation von gegenseitigem Nutzen ist. Erst, wenn sich beide Gruppen austauschen, zu verstehen suchen und gegenseitig ergänzen, ist Wissenschaft ganzheitlich orientiert. Praktisch bedeutet dies auch dem Unterstützungsbedarf von Forschern mit körperlichen oder mentalen Herausforderungen zu begegnen. Ein Aufzug, eine Rampe oder eine psychische Betreuung ergeben sich nicht von alleine, da sind Anstrengungen von Nicht-Behinderten nötig. Im Gegenzug erfahren diese Forscher über forschungsrelevante Inhalte bezüglich der Lebensrealitäten von Menschen mit körperlichen oder mentalen Herausforderungen, die ein gesamtgesellschaftliches Bild ergeben. „Nicht über uns, ohne uns“ ist die Parole der inkludierenden Befreiungsbewegung gestaltet durch Gruppen von Menschen mit körperlichen oder mentalen Herausforderungen.

Der folgende Überblick will über die gegenwärtige Bandbreite an Forschung zum Forschungsgebiet der Disability Studies aus theologischer Perspektive informieren.

Disability Studies – Forschungsbereiche

Disability Studies ist ein Überbegriff für die gesamte Forschung rund um Behinderung als einem sozio-kulturellen Phänomen. Hierbei spielen medizinische, diakonisch-pflegerische, technologische, rehabilitative, soziologische, theologisch-religiöse, anthropologisch-ethnographische Aspekte aus historischer und gegenwärtiger Perspektive eine Rolle. Aus dieser Vielzahl an Optionen haben sich spezifische Fachbereiche heraus kristallisiert, die aber täglich um neue Forschungsbereiche erweitert werden. Um den Überblick nicht zu verlieren beschränken wir uns auf die Gebiete, welche aus interkulturell theologischer und missiologischer Perspektive bedeutsam sind:

  • Disability Anthropology stellt ethnographisch-biographische Lebenswelten von physisch und mental herausgeforderten Menschen dar (z. B. Gelya Frank 2000).
  • Disability and Gender beschreibt die Machtbewegungen und die Einflüsse auf Menschen mit körperlicher oder mentaler Einschränkung im Hinblick auf die Geschlechterfrage. Die besondere Benachteiligung von behinderten Frauen ist hierbei speziell im Blick (z. B. Jacob, Köbsell & Wollrad 2010; Boll, Ewinkel & et. al. 1985).
  • Disability History, beschäftigen sich mit historischen Zusammenhängen rund um Menschen mit körperlicher oder mentaler Einschränkung (z. B. Nielsen 2013).
  • Disability Worlds beschäftigt sich mit Lebenswelten und sozialen Bezügen und Räumen der Begegnung von Menschen mit und ohne körperlicher oder mentaler Einschränkung (z. B. Whyte & Ingstad 1995).
  • Critical Disability Studies schlagen die Brücke zwischen Personen mit und ohne mentalen und physischen Herausforderungen, indem sie Fragestellungen zum Thema „Behinderung“ angeht, die aus historischen Gründen oder von Seiten der Political Correctness nicht angegangen werden. Hierzu gehören selbstkritische Anfragen zur Eugenik (DNA-Analyse und PND-Entwicklung), zur gesellschaftlichen Teilhabe künstlich am Leben gehaltener Menschen, also solcher Lebensformen, die ohne Fremdhilfe nicht überlebensfähig wären (medizinisch-pflegerischer Diskurs) oder auch die ethische und finanzielle Verantwortung der Gesellschaft bezüglich selbstständiger Lebensgestaltung von Personen mit mentalen und physischen Herausforderungen (politischer Diskurs; z. B. Shildrick 2012:30-41) .    
  • Disability Theology beschreibt die exegetischen und hermeneutischen Defizite im Hinblick auf Menschen mit körperlicher oder mentaler Einschränkung in der Theologie (z. B. Reynold 2008; Yong 2011).
  • Disability Missiology ist eine gegenwärtig sich entwickelnde Disziplin. Sie hinterfragt im Rahmen historischer Beschreibungen wie Inklusion, Exklusion oder Diskriminierung von Menschen mit körperlicher oder mentaler Einschränkung verstanden wurde. Im Rahmen der postkolonialen Forschung (postcolonial studies) werden diese Zusammenhänge in der Interkulturellen Theologie erfasst. Im deutschsprachigen Raum hat sich die Missiologie teilweise unter dem Dach der Interkulturellen Theologie eingefunden. Gleichzeitig wird der Ertrag dieser Forschung der Christlichen Entwicklungshilfe in fremden Kontexten von selbst eingeschränkten Menschen oder im Hinblick auf eine solche Zielgruppe zugänglich gemacht.
  • Disability Pedagogy/ educational theory ist eine Disziplin, die sich mit den besonderen Bedürfnissen bei der Informationsvermittlung auseinandersetzt. Dies beinhaltet sowohl theoretische Überlegungen zur Kommunikation als auch praktische technische Lösungen. In der Theorie spielen haptische, visuelle und aurale Stimulation der Sinne, sowie die rezeptiv-kognitive Verarbeitung der kommunikativen Signale eine wichtige Rolle. In der Praxis geht es um die computergesteuerte technische Assistenz im Kommunikationsprozess wie dies Braille-Übersetzer, visuelle Darstellungen oder das Gebärdendolmetschen durch Avatars exemplarisch anzeigen (Webb-Mitchell 1994, 1996).

Disability Studies – Hermeneutische Ansätze in der (Interkulturellen) Theologie

Die Interkulturelle Theologie ist als eine eigenständige Disziplin von theologisch-hermeneutischen Vorschlägen abhängig. Die Disability theology bietet vor allem aus dem englischsprachigen Raum Ansätze.

Die bekannteste Forscherin im Fachbereich der Disability theology war Nancy L. Eiesland (*1964-†2009). Ihre Forschung The Disabled God: Toward a Liberatory Theology of Disability (1994) hat in der Theologie bahnbrechende neue Diskurse um die Vielfalt der Kirche und ihren diakonischen Auftrag eröffnet. Sie baut ihren befreiungstheologischen Ansatz auf die ethnographischen Darstellungen von Diane de Vries und Nancy Mairs (1994:40-42 und 46). Beide waren, wie Eiesland selbst, auf Assistenz und Hilfsmittel angewiesen. Diese Biographien bringen Eiesland zu dem Schluss,

both women reveal in their bodies the reality that ordinary lives incorporate contingency and difficulty. Furthermore, they embody this contingency and difficulty not only with anger and disappointment but also with respect for its unique value. (1994:46).

Eiesland betont in ihren Ausführungen, dass die Akteure mit ihrem Anders-Sein, als einer Abweichung von der ästhetischen oder physikalischen Norm, zwar von der Umgebung ein Stigma aufoktroyiert bekommen, jedoch selbst sich als „normal“ empfinden. Es wäre ein Akt dipolarer Selbstverleugnung, würden Menschen mit körperlichen oder mentalen Einschränkungen ständig im Konflikt mit ihrem Sein stehen. Natürlich nehmen körperlich und mental Herausgeforderte körperliche Beschränkungen wahr, die sie auszugleichen haben. Dies kann in medizinischen-therapeutischen Hilfen bestehen oder auch in Umgebungsvariablen, die den Bewegungsradius erweitern. Jedoch sind die sozial konstruierten Barrieren, wie Diskriminierung und Abwertung, das eigentliche und überflüssige Kampfterritorium, welches die marginalisierten in die Defensive zwingen.   

Bereits erwähnt wurde der Ansatz in Vulnerable Communion: A Theology of Disability and Hospitality von Thomas Reynolds (2008). Reynolds baut auf das einende Moment der „hospitality“ (Gastfreundschaft), um im kirchlichen Raum eine Einladungs-Kultur zu etablieren (2008:20). Alle sind eingeladen am verletzlichen und verwundbaren Körper der christlichen Gemeinschaft (Vulnerable Communion) teil zu haben (:21). Diese Verletzlichkeit leitet er aus der Schöpfungsordnung ab (:168-169) und bildet sie in der Kommunion / dem Abendmahl ab, welches die kreatürliche Diversität der Menschheit wiederspiegelt. Erwähnenswert ist das Konzept der „verletzlichen Liebe Gottes“, welche sich nicht in der Allmacht Gottes erweist, sondern in der sündhaften, verletzlichen und tragischen Ausgestaltung des menschlichen Daseins. Diese Liebe führt in die Abhängigkeit der Menschen untereinander, mit der Welt und letztlich mit Gott selbst, der als Schöpfer diese Welt und die Menschen in ihrer Vielfalt liebt. Die Marginalisierung von Menschen mit körperlichen oder mentalen Einschränkungen im „Anders-Sein“ als Abweichung vom „Normalen“ hebt sich bei Reynolds in der Verletzbarkeit und Schwachheit des Menschen als sündhaftes Wesen auf. Geklärt werden müsste bei Reynolds ob hier eine allversöhnende Grundlage angenommen wird? Des Weiteren, wie er sich angesichts eines homo erectus, einer als sich selbst behauptenden menschlichen Form, die Gott nicht benötigt, zur eigentlichen Schöpfungsabsicht Gottes stellt, wenn kritische Menschen, die Nähe und den Bedarf an der Kommunion nicht sehen? Ansonsten ist Reynolds Ansatz hilfreich um Behinderung und behinderte Menschen nicht nur als Opfer oder von ihrer Opferstellung, also aus Sicht der Diskriminierung, her zu betrachten.

Amos Yong (2011) in The Bible, Disability, and the Church: A New Vision of the People of God kommt aus der charismatischen Glaubensrichtung. Er startet mit drei Prämissen (2011:13).

  • Menschen mit körperlichen oder mentalen Einschränkungen sind als Imago Dei im Bild Gottes geschaffen.
  • Diese Menschen sind in erster Linie Menschen und nur in zweiter Hinsicht mit einem Alleinstellungsmerkmal, ihrer individuellen Behinderung versehen.
  • Behinderung ist an sich nichts Böses oder Gutes, sondern fester Bestandteil des Lebens. Jede Person erfährt sie, entweder dauerhaft von Geburt, erst später oder auch einmalig oder mehrfach temporär während des Lebensverlauf. Die direkte Verknüpfung von Sünde und Behinderung, wird in Johannes 9 zwar aufgehoben, aber in Johannes 5 unterstrichen.

Yong sieht hierin die Hermeneutik heraus gefordert tiefer in die biblischen Texte zu blicken und oberflächliche Deutungen zu vermeiden. Er wagt einen Überblick über die Heilungs­geschichten, die ihm den Eindruck machen, als dass Menschen mit körperlichen oder mentalen Einschränkungen darin getröstet würden, indem das Heilungsangebot des Messias sie vor Scharlatanen, Medizinern und den Diskriminierungen von Nicht-Behinderten schützen würde (2011:59). Diese These führt er als Stärkung der Rechte und des Selbstbewusstseins von Menschen mit körperlichen oder mentalen Einschränkungen an, da sie in der Kirche als vollwertige Glieder gelten würden, die direkt vom Heiligen Geist bedient würden. Die ganzheitliche Heilung multisensorischer Einschränkungen bildet für Yong die umfassende Kraft des Heiligen Geistes ab. Er geht soweit die Kirche als ureigentlichen Raum für Menschen mit körperlichen oder mentalen Einschränkungen zu sehen, da die Kirche die Marginalisierten sammelt (:95).

Creamer, Deborah Beth (2009) in Disability and Christian Theology: Embodied Limits and Constructive Possibilities schlägt ein drittes Model von Behinderung vor, welches sie das Limits oder Gifts Modell nennt (2009:31-34, 95-96). Diese Model stellt „Behinderung als solche“ in den Mittelpunkt. Ihre Definition der beiden für sie erkennbaren Grundmodelle, in das medizinisch-funktionale Modell und das soziale oder Minderheiten Gruppenmodell, lässt sie fragen, wo da der Fokus auf Behinderung liegt? (:22-26)? “Behinderung”, die ja ein Schwellendasein des Lebens darstellt, bekommt in den bisherigen Vorschlägen nicht die nötige Aufmerksamkeit. Ihr Limits Modell unterscheidet sich ihrer Meinung nach zu den anderen Modellen darin,

“in that it does not attempt to divide participants into one of two categories (either disabled or not-disabled) but instead offers a new way to think about what disability is. It attempts to engage in critical reflection on embodied experience and offers us a way to think about the limits of each person and situation and of what such limits may enable or make difficult.” (2009:31)

Sie vergleicht das medizinische Modell, das mit einer Evaluation beginnt, mit ihrem Limits Modell, welches die Begrenzungen in den Mittelpunkt des menschlichen Lebens, als einem zwar bekannten, aber vernachlässigten Aspekt der Realität beschreibt (:10). Kritisch reflektiert sie die Kirche, die sich nicht proaktiv mit “Behinderung” auseinandersetzt, obwohl dies der Intention des biblischen Textes vom Witwen- und Waisengebot des mosaischen Gesetzes, bis zur den Heilungs- und Armengleichnissen des Neuen Testaments entspricht (:35). Sie setzt sich mit den Körpervorstellungen der Antike und der biblischen Texte auseinander. Sie lehnt sich an McFague's Gottesvorstellungen (1987 und 1993), die sich auf einen Gott konzentrieren, der sowohl in jedem Einzelnen lebt (Immanenz) als auch das gesamte Universum als Energie durchdringt (Transzendenz; Creamer 2009:62). Im Weiteren befasst sie sich mit Befreiungstheologien. Insbesondere Block (2002) ist von Interesse, da sie sich für ein „model of access“ einsetzt. Sie setzt voraus, dass in der Kirche alle willkommen sind und einen Platz haben. Access im Sinne von Zugang steht dabei im Kontrast zur Exklusion von Menschen, die gegenwärtig nicht teilhaben können aufgrund körperlicher oder mentalen Einschränkungen (Creamer 2009:81-82).

Theologie des Leidens versus Differentialität und Konvaleszenz

Im großen Ganzen beschäftigen sich alle diese hermeneutischen Vorschläge zur Disability Theology und auch zur Disability Missiology mit einer Theologie des Leidens (Theodizee-Frage), welche Behinderung als Benachteiligung und Schwachheit betrachten. Dabei gehen sie zwei Wege. Entweder interpretieren sie Gott selbst eine solche Schwachheit an oder aber das „Anders-Sein“ der Personen mit einer solchen Einschränkung wird als Distanz von den „Normalen“ voraus gesetzt. Es ist nichts gegen diese Prämissen zu sagen, jedoch stellt sich die Frage, ob die kreative Natürlichkeit oder besser Kreatürlichkeit Gottes sich in diesem Zugang zur Theodizee-Frage findet, oder ob nicht gerade am Beispiel von „Behinderung“ ein Zugang aufgezeigt wird, der

  • entweder den „Normalitätsbegriff erweitert oder
  • die menschliche Diversität als Spiegelbild kirchlicher Inklusion aus göttlicher Perspektive einfordert.

Krankheit, vorübergehende Einschränkung oder Schwäche sind hiervon abzugrenzen, da sie dem Menschsein inhärent inne wohnen. Es ist offensichtlich, dass es noch zusätzlicher hermeneutischer Aspekte bedarf, die die Lebenswelt der Personen, die körperlich oder mental herausgefordert sind als eigene Lebensrealität darstellen. Aus Sicht von Personen mit solchen Einschränkungen ist es zuerst einmal bedeutsam, dass die Beeinträchtigung nicht den Menschen ausmachen, sondern ein Teil ihrer Lebensrealität darstellt. Die Einschränkung stellt eine von vielen Herausforderungen dar, wie sie auch Menschen kennen, die sich selbst als Nicht-Behindert einordnen. Gleichzeitig ist da jedoch der Bedarf und Anspruch an die Gesellschaft und Kirche für Bedingungen zu sorgen, die eine Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglichen.

Eine mögliche Überwindung des Leidensansatzes ergibt sich aus den Prinzipien der Differentialität in Verbindung mit der Konvaleszenz. Während erstes darauf gerichtet ist, die Unterschiedlichkeit der Lebensrealitäten und auch Lebenswelten von behinderten und nicht-behinderten Personen herauszustellen, richtet sich letzteres an die Wiederherstellung der Diversitäts-orientierten Kirche.

Differentialität betont die Einzigartigkeit individueller Lebensrealität. Gangemi setzt diese Einzigartigkeit bereits im Mutterleib an. Sie bezieht sich dabei auf die pränatale Seelsorge an Eltern, die ein Kind mit körperlichen oder mentalen Herausforderungen erwarten (Gangemi 2018). Entgegen der gängigen Annahme, dass Menschen mit abweichenden Lebenserfahrungen sich an der „Normalität“ orientieren müssten, steht die Tatsache, dass die Individualität jeder Lebenssituation zuerst einmal für den besagten Menschen seine unnachahmbare Wirklichkeit darstellt, zu der es keine Alternative gibt. Innerhalb des ihm gesetzten sozialen Rahmens erfährt er nun die Ächtung aufgrund seiner Abweichung von der Norm. Inklusion setzt an diesem Punkt an und fordert die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass alle zurechtkommen. Dies ist zuerst einmal nur im physikalischen Bereich zu leisten, indem digitale und physische Barrierefreiheit geleistet wird. Die daraufhin mögliche gleichberechtigte Begegnung ohne auf Hilfe angewiesen zu sein ermöglicht die geistige Annäherung und Verschiebung des „Normalitätsbegriffes“ hin zu einer peripheren Grenzverschiebung (peripheral bordering). Gemeint ist damit die Beibehaltung der Unterschiedlichkeit bei gleichzeitiger Ausdehnung der Grenzen. Dies ermöglicht beiden Parteien, den behinderten und nicht-behinderten Personen, ihr Verständnis über die „Normalität“ der jeweilig anderen Gruppe anzupassen. Der zweite Faktor, „Konvaleszenz“ gehört unmittelbar dazu, da er die Parteien auf eine Kirche ausrichtet, welche die menschliche Vielfalt reflektiert, achtet und geistlich fördert. Dies bedeutet in der Konsequenz, dass die Kirche ihre hausgemachte Begrenzung auf Personenkreise ausdehnt, die sie bislang nicht dergestalt im Blick hatte, dass deren Beitrag zum „Normalfall“ gezählt würde. Die Lebensrealität von Personen mit körperlichen oder mentalen Herausforderungen bildet eine Erweiterung des kirchlichen Rahmens im Hinblick auf die göttliche Schöpfungsordnung, welche die Vielfalt menschlicher Formen einfordert. Die Konvaleszenz – Wiederherstellung - dieser menschlichen Vielfalt ist Aufgabe der Kirche, da das Reich Gottes ein Sammelbecken aller darstellt.

Ethische Konsequenzen der Diversitäts-orientierten Kirche

Welche ethische Ausrichtung benötigt die Kirche um einem Inklusion-orientierten Leitbild gerecht zu werden?

 

Pränatale Seelsorge – Abwägung der Rechte und Pflichten zum ungeborenen Leben – Imago Dei

Die Kirche hat den Auftrag an der pränatalen Seelsorge an Eltern, die ein Kind mit körperlichen oder mentalen Herausforderungen erwarten. Hierfür muss die Kirche die Frage beantworten, wie sie es mit dem Lebensschutz hält.

Dabei ist als Grundsatz festzuhalten, dass die Quelle des Lebens in der göttlichen Vorhersehung liegt, aber gleichzeitig ist es nicht oberste Priorität der biblischen Gottheit Leben um jeden Preis zu erhalten, wie die unzähligen Tot- oder Fehlgeburten, sowie die Aufopferung hingegebener Nachfolger Christi in er Kirchengeschichte zeigen. Vielmehr liegt der Schwerpunkt auf einem an göttlicher, sozialer Gerechtigkeit und einem in der Nachfolge hingegebenen Leben. Die Qualität oder die Länge der Lebenszeit sind zweitrangig. Dies ist im Übrigen auch der Hauptgrund für eine eher bescheidene Ausrichtung der Kirche an ökologischen Interessen.

Abwägung – Eltern- und Mutterrecht, ungeborenes Kindesrecht  

Gerade in der Phase der Schwangerschaft und Eltern-Werdung treffen verschiedene Lebens-Rechte aufeinander. Da ist zum einen die Frau und Mutter, die entscheiden muss, ob sie mit ihrem Lebenspartner oder auch alleine in der Lage ist ein Kind aufzuziehen, in diesem Fall ein Kind mit körperlichen oder mentalen Einschränkungen. Der Lebenspartner bildet die soziale Stütze und muss ebenfalls entscheiden, ob er sich der Aufgabe stellt. Ärzte sind zur Beantwortung dieser Frage denkbar ungünstig, da sie selbst Teil des „Gesundheitssystems“ sind und ihre ökonomischen Interessen, dem Lebensrecht entgegenstehen. Das Kind hat ein Recht auf Leben, weil es in unbeteiligter Weise ein Zeugnis der sexuellen Vereinigung war. Aus biblischer Perspektive obliegt das ungeborene Kind einer göttlichen Vorhersehung, die der Mensch zu respektieren hat, indem er die spirituellen Faktoren der Geburt oder des Abbruchs mit abwägt. Hier kommt die Gemeinschaft der Gläubigen – die Kirche – ins Spiel. Die Gesellschaft, die Kirche, hat die Verpflichtung Rahmenbedingungen zu schaffen, die Eltern, auch mit einem Kind mit körperlichen oder mentalen Herausforderungen gerecht werden. Diese Rechte und Pflichten treffen aufeinander und gilt es abzuwägen.

Unbeachtet der politischen Rahmenbedingungen, die eine soziale und medizinische Indikation durch Schwangerschaftsberatung vorsieht, trifft die Eltern der medizinisch-versorgungstechnische Druck. Hierzu gehört, dass in der Regel die Ärzte von der Geburt eines Kindes mit körperlichen oder mentalen Herausforderungen aufgrund eines körperlichen, aber auch psychischen Risikos abraten. Dies liegt zum Teil an einer paternalistischen Überheblichkeit, die im Ausbildungswesen der Mediziner steckt (wer 1.000 Dächer fachgerecht gedeckt hat, bekommt auch keinen Doktortitel!). Des Weiteren wird aufgrund ökonomischer ärztlichen Interessen auch auf die Gefahr von Kosten hingewiesen, die zu tragen wären, was die Krankenkassen dann auch bestätigen. Ein weiterer Faktor bildet der gesellschaftliche Druck, welcher aufgrund einer tiefgreifenden Furcht vor Behinderungen, als Reflexion eigener Vergänglichkeit, in der Gesellschaft besteht. In der Regel wird dabei mit finanziellen Belastungen für die Gesellschaft argumentiert. Tiefer liegt jedoch in den westlichen Kulturen ein ideologisch gegründeter evolutionärer Utilitarismus oder in östlichen Kulturen die religiöse schambehaftete Abweichung von der gesellschaftlichen „Norm“ und „Normalität“. In der Konsequenz führt dies zum Ableismus (in England: Disableismus; Ablehnung von Behinderung) und der Kategorisierung „Lebensunwertes Dasein“ (Cloerkes 2007).

Praxis pränataler Seelsorge

Wie kann pränatale Seelsorge in einer solchen Situation aussehen? Wichtig ist es die Position des Kindes, das selbst nicht mitsprechen kann, mit zu bedenken. Das Kind selbst, kennt ja nur die eine Lebensform, in welcher es geboren, auf dieser Erde versorgt und in die Selbstbestimmung geführt wird. Aus dem Blickwinkel des Schöpfungsansatzes bildet deshalb die körperliche oder mentale Einschränkung eine göttliche Eigenschaft, die der Vielfalt menschlicher Variation zuträgt. Die Imago Dei ist diesbezüglich zu denken und gegebenenfalls zu erweitern. Wäre es bis dato die Annahme, dass Personen mit körperlichen oder mentalen Einschränkungen nicht zur schöpfungsinitiierten Gemeinschaft mit dem Schöpfer gezählt würden, wäre dies zu korrigieren. Eine solche Annahme würde auch der Omnipotenz und Kreativität der Schöpfungsmacht widersprechen, die ja jedwede kreatürliche Option vorzusehen und umzusetzen in der Lage ist. Gleichzeitig lässt diese Schöpfungsmacht zu, dass Kinder im Mutterlieb abgehen (Fehlgeburt), kurz nach der Geburt sterben (Kindestod) oder auch im frühen Kindesalter durch Krankheit, Unglück (z. B. Kriminalität, äußere Faktoren) oder Unfall sterben. In diesem Sinne kann nicht von einem „unbedingten Lebensrecht“ ausgegangen werden, was auch der Lebenserfahrung aller Menschen entspricht.

Abwägung Leihmutterschaft – Adoption und Pflege

Hier wäre auch die Frage nach der „Leihmutterschaft“ zu stellen, die sich aufgrund der Idee ergäbe, dass eine Mutter immer ein Kind zur Welt bringen kann, weil sie das Kind ja zur Pflege/ Adoption frei geben kann. Eine solche Forderung würde aber die „Mutter“ zur „Leihmutter“ machen, da sie das Kind für andere oder die Gesellschaft frei gäbe. Zum einen hätte die Mutter, gerade im Falle von Kindern mit körperlichen oder mentalen Einschränkungen, keine Sicherheiten, dass das Kind versorgt würde, zum anderen steht die Leihmutterschaft in der Gefahr, dass dies den vorhandenen globalen Markt an „Kinderangeboten“ ankurbelt und Kinder mit körperlichen oder mentalen Einschränkungen als Überangebot keinen Platz fänden. Eine Lösung hierfür ist nicht in Sicht, da dieser Bereich eine globale gesellschaftliche Grauzone bildet, welche aufgrund zunehmender Unfruchtbarkeit und gleichzeitiger Geburtenregelung in bestimmten geographischen Regionen noch nicht öffentlich und global als Menschheits- bzw. Bevölkerungsplanungs-Problematik diskutiert wird.

Würde man jedoch eine Adoption oder Pflege in Betracht ziehen, so ist eine enge Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden, insbesondere dem Jugendamt, der dortigen Adoptionsstelle und dem Familiengericht nötig. Dies birgt zusätzliche Belastungen, welche in den seltensten Fällen von kirchlichen Institutionen abgefedert werden. In diesem Bereich wäre eine institutionelle Vernetzung von kirchlichen Mitarbeitern mit den Behörden hilfreich, um die Begleitung einer ungewollten Schwangerschaft zu gewährleisten. Sicher spielt dabei auch die Beobachtung eine Rolle, dass Mütter und Väter im Angesicht des geborenen Lebens neu über eine mögliche Elternschaft nachdenken.

Abwägung Lebensumfeld der Eltern  

Die Rahmenbedingungen der Eltern/ Lebenspartner bilden einen wichtigen Faktor, da sie die Stabilität für das Miteinander der Kern- und der erweiterten Familie bilden. Es ist abzuwägen, wie die Eltern mit den Herausforderungen eines Kindes, welches erhöhten Assistenz- und Pflegebedarf aufweist, umzugehen in der Lage sind. Hierfür sind Erfahrungen anderer Menschen unbedingt notwendig und hilfreich. Auch die Meinung und Erfahrung von Eltern, die sich gegen diese Form der Elternschaft entschieden haben ist einzubringen. Die Frage, wie sich eine Entscheidung in der Konsequenz auf den weiteren Lebensweg auswirkte bleibt zuerst einmal spekulativ, da sie ja nicht nachweislich erfahren wurde. Trotzdem kann aufgrund der Lebenswege eine Abwägung stattfinden, da die abgegeben Lebens-Beschreibungen abzuwägen sind. Die pränatale Seelsorge stellt dabei eine gemeinsame Hinführung zu einer eigenen Entscheidung dar und geht ohne Vorabverurteilungen vor, wobei klar ist, dass keine seelsorgerliche Beratung objektiv oder wertneutral wäre. Es ist hier ebenso festzustellen, dass weder die staatlich angebotenen Pro-Familia (https://www.profamilia.de/) Beratungen objektiv sind, da persönliche, gesundheitsärztliche und ökonomische Interessen vorliegen, noch private Beratungen wie sie von Pro Femina e. V. (https://www.profemina.org/) wertneutral sein können, da letztere eine christlich-motivierte Organisation ist.

Kirchliche Inklusion – Einheit in Vielfalt – Herausforderungen und Gewinn

Die Kirche steht vor weitreichenden Herausforderungen. Wie die seit den 1980er politisch geforderten architektonischen Gestaltungen der Kirchen auf Barrierefreiheit zeigen, ist auch eine Inklusion von Menschen mit körperlichen oder mentalen Einschränkungen nicht umsonst zu haben. Eine Bereitschaft zur Assistenz, der Öffnung von Kreisen für „die Anderen“ und damit einer Beschränkung eigener Erwartungen zugunsten anderer ist die Konsequenz. Vor allem der Leistungsdruck in Kinder- und Jugendgruppen nach einem attraktiven Programm, wie er in der Kirche besteht, ist angesichts von Kindern, die auf Assistenz angewiesen sind abzuwägen mit der Lebenserfahrung, die ein Kind erhält, wenn es die Lebensrealität anderer Lebensformen kennen lernt. Insbesondere die Erfahrung, dass göttliche Schöpfungskraft sehr unterschiedliche Lebenswelten umfasst ist eine grundlegende Erkenntnis in jungen Jahren. Die lange praktizierte und immer noch vorhandene Praxis der Heimunterbringung, spezieller Förderschulen ohne Anschluss an das öffentliche Schulsystem, und extra Gottesdiensten in den Heimen und Förderschulen lässt keine Kontaktzonen zu. Das staatlich geförderte Prinzip der Inklusion muss sich auch in der Kirche durchsetzen um Kontaktzonen zu bieten.

Sind Kirchenmitglieder bereit eine Beteiligung von Menschen, die stottern zuzulassen und dabei den gewohnten Kommunikationsfluss zu verlassen um weniger Information bei erheblichem Zeitaufwand in Kauf zu nehmen. Sind visuelle Unterstützungen des Gesagten für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen störend, oder werden sie zur Normalität und dienen auch den anderen Kirchenbesuchern als Unterstützung? Ist das mental eingeschränkte Kind im Kinderprogramm eine Belastung oder eine Bereicherung? Diese Fragen sollten besprochen und nach gemeinsamen, die Betonung liegt auf gemeinsamen Lösungen von Mitarbeitern, Eltern und Kindern mit körperlichen oder mentalen Herausforderungen gesucht werden.

Zum Abschluss dieser Betrachtungen sei noch einmal betont, dass eine Kirche als Spiegelbild der göttlichen Kreativität eine „Einheit in Vielfalt“ wieder spiegelt, die ihren geistlichen Ertrag erst in der Gegenwart mit dem Schöpfer erhält. Diese Perspektive in die Nachwelt relativiert diese jetzige Lebensrealität und betont die in der Bergpredigt geforderte soziale Gerechtigkeit und hingegebene Nachfolge als emphatisches Mit-Leiden der unterschiedlichsten Lebensrealitäten auf dieser Erde.

 

Bibliographie

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Cloerkes, Günther 2007. Soziologie der Behinderten. Edition S. 3. Aufl. Heidelberg: Universitätsverlag Winter.

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Gleichberechtigung – Inklusion (noch) nicht im olympischen Sport!

Wenig bekannt ist, dass die Paralympics, also die globale Sportveranstaltung von Menschen mit Einschränkungen bis heute nicht vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC-Lausanne) getragen wird. Das IOC hat seit 1968 eine eigene wenig bekannte Olympiade für Menschen mit mentalen Einschränkungen begründet. Diese „Special Olympics“ finden ebenfalls vierjährlich, versetzt zu Olympia statt. Erst seit einem Jahr haben das IOC und das paralympische Komitee (IPC-Bonn) ein Abkommen unterzeichnet sich wenigstens zu unterstützen, jedoch zeigt der Fall Oscar Pistorius, dass die bürokratischen Barrieren für Menschen mit Einschränkungen sehr hoch sind um vom IOC anerkannt zu werden. Das IOC hat sich in der Vergangenheit bewundernswerterweise über alle Rassenideologien (z. B. Berlin 1936) oder den Ausschluss von Minderheiten (sexuelle Orientierung, Geschlechterzugehörigkeit etc.) hinweg gesetzt, jedoch bleiben Menschen mit Einschränkungen bis heute ganz gezielt außen vor. In Sachen Inklusion wäre die völlige Integration mindestens der paralympischen Spiele ein längst überfälliges Zeichen.